Der Deutsche Logistik-Preis 2026 geht an Mars, die Rewe Group, Rigterink, Einride und L.I.T. Die Unternehmen werden für den Aufbau einer durchgängig elektrifizierten Lieferkette für schnelldrehende Konsumgüter ausgezeichnet. Platz zwei belegt die Rüdinger Spedition aus Krautheim, Rang drei der Snackhersteller Lorenz.
Elektrischer Korridor vom Werk bis zum Supermarkt
Das Siegerprojekt wurde auf der Supplx Chain CX im Berliner Estrel ausgezeichnet und verbindet Produktion, Logistikdienstleister und Handel zu einem durchgängigen elektrischen Transportnetz. Waren aus den Mars-Werken in Veghel, Viersen und Verden gelangen über das Zentrallager in Minden zum Rewe-Distributionszentrum in Oranienburg. Von dort werden rund 300 Märkte im Berliner Raum und darüber hinaus versorgt.
Die Partner koordinieren dafür Produktionsrhythmen, Warenströme, Anlieferzeitfenster, Reichweiten und Ladekapazitäten. Einride stellt Fahrzeuge, Transportleistungen und digitale Anwendungen für Lade- und Emissionsmanagement bereit. Rigterink elektrifiziert die Verbindung zwischen Minden und Oranienburg sowie weitere Strecken. Die eigene Flotte umfasst inzwischen 22 Elektro-Lkw. Rewe ergänzt die Verkehre durch weitere Fahrzeuge. Ladeinfrastruktur entstand unter anderem in Veghel, Recklinghausen, Verden, Minden und Oranienburg.
Bis Ende August 2026 legten die verbundenen elektrischen Transportnetze von Mars und Rewe nach Angaben der Projektpartner mehr als 3,7 Millionen Kilometer zurück. Dabei seien rund 3.500 Tonnen CO₂-Äquivalente und etwa 1,1 Millionen Liter Diesel eingespart worden. Gegenüber vergleichbaren Dieseltransporten lägen die Emissionen nach dem Well-to-Wheel-Ansatz um mehr als 70 Prozent niedriger. Die Jury würdigt insbesondere die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und das Potenzial, das Modell auf weitere Regionen und Branchen zu übertragen.
Rüdinger und Lorenz auf den Plätzen zwei und drei
Die Rüdinger Spedition überzeugte mit der Bündelung von Stückgutmengen aus bis zu acht Netzwerken, digitaler Steuerung und elektrischen Nutzfahrzeugen. Seit 2018 stieg die Zahl der Eingangssendungen um 460 Prozent, während die durchschnittliche Kilometerleistung je Stopp von 33 auf acht Kilometer sank. Das Unternehmen verfügt über 38 Elektro-Lkw, darunter 21 elektrische Sattelzugmaschinen. Sämtliche Nachtlinien werden elektrisch bedient. Bis 2029 soll auch der eigene Nahverkehr vollständig elektrifiziert sein.
Lorenz erreichte mit dem Projekt „Pathfinder“ den dritten Platz. Am Standort Neunburg vorm Wald übernehmen vier autonome Elektrofahrzeuge den Transport zwischen Produktion und Zentrallager, die nur rund 500 Meter voneinander entfernt liegen. Zuvor wurden jährlich rund 180.000 Paletten in etwa 5.500 Fahrten mit Diesel-Lkw bewegt. Jedes autonome Fahrzeug transportiert bis zu 15 Paletten; im Regelbetrieb sind bis zu 1.350 Paletten täglich möglich. Einride betreibt die Fahrzeuge im Dienstleistungsmodell „Transport as a Service“. Sie nutzen Strom aus der firmeneigenen Photovoltaikanlage.
BVL Supply Chain CX mit 1.800 Teilnehmern
Die dritte BVL Supply Chain CX findet am 21. und 22. Oktober im Estrel Berlin statt. Die Veranstaltung bringt rund 1.800 Teilnehmer zusammen. Mehr als 160 Speaker und rund 130 Aussteller und Partner stehen auf dem Programm. Zu den angekündigten Rednern zählen unter anderem Peter Maly, COO für Logistik und Supply Chain Management bei Rewe, Jens Birgersson, CEO von Brenntag, sowie Bernhard Osburg, Vorstandsvorsitzender der DB Cargo. Im Mittelpunkt stehen Fachvorträge, Networking und der Austausch zwischen Logistik, Industrie und Handel.
Zwei Studien zu Verteidigungslogistik und KI
Auf der Veranstaltung wurden außerdem zwei Studien vorgestellt. Die gemeinsame Untersuchung von BVL und Strategy& unter dem Titel „Defense Logistics“ beleuchtet die Rolle der Logistikwirtschaft für Deutschlands Verteidigungsfähigkeit und als logistische Drehscheibe der Nato in Europa. Rund 70 Prozent der bereits im Verteidigungssektor aktiven befragten Unternehmen planen in den kommenden drei bis fünf Jahren gezielte Investitionen. Bei etwa zwei Dritteln liegt der Umsatzanteil des Geschäfts jedoch unter fünf Prozent. Als Hindernisse nennt die Studie unter anderem komplexe Vergaben, Geheimschutzanforderungen und fehlendes sicherheitsüberprüftes Personal.
Die mit 4flow erarbeitete Studie „KI und Resilienz: Supply Chains erfolgreich transformieren“ zeigt, dass 83 Prozent der befragten Unternehmen KI bereits einsetzen oder pilotieren. Anwendungen finden sich vor allem in Planung, Optimierung, Monitoring und Prognosen. Für widerstandsfähigere Lieferketten kombinieren Unternehmen unter anderem Multi-Sourcing, höhere Bestände und regionale Beschaffung mit Risikomanagement und Szenarioplanung. Für den wirtschaftlichen Erfolg von KI sind laut Studie neben der Technologie eine klare Strategie, tragfähige Business Cases und geeignete Kompetenzen entscheidend.





