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ETRC 2026 in Most: Kiss baut Vorsprung aus

ETRC 2026 in Most
Kiss siegt erneut – Drei Sterne für Bernau

Norbert Kiss dominiert das ETRC-Wochenende in Most, während Steffi Halm einen Laufsieg feiert. Abseits der Piste sichert sich T Sport Bernau die höchste FIA-Umwelt-Akkreditierung.

ETRC 2026 Most
Foto: Richard Kienberger

Gesellschaftliche Entwicklungen gehen auch an großen Freizeitevents nicht spurlos vorüber, auch wenn das manchen Besuchern lieber wäre. In München gab es kurz vor dem Start der Wies‘n Diskussionen um allzu freizügig dargestellte Figuren auf den Oktoberfest-Fahrgeschäften. Und prominente Motorsportdisziplinen stehen aus einem anderen Grund im Fokus einer kritischen Öffentlichkeit, hier geht es vor allem um die Umweltverträglichkeit. Dass verantwortungsbewusstes Denken und Freizeitspaß in einem vernünftigen Rahmen gut zusammengehen, zeigt sich immer wieder – und bei der schwierigen Suche nach Sponsoren kann ein entsprechendes Problembewusstsein durchaus helfen. Denn auch die Partner stehen ja im Fokus der Öffentlichkeit, die von einem modernen Unternehmen nicht zuletzt ein zeitgemäßes Handeln erwartet.

FIA Three Star Environmental Accreditation: Höchste Auszeichnung für Bernau

Im Truckracing hat sich das Team T-Sport Bernau seit vielen Jahren mit dieser Thematik auseinandergesetzt und während der Corona-Jahre begonnen, Prozesse auch unter dem Aspekt der Umweltverträglichkeit auszurichten. Diese Bemühungen wurden 2022 zunächst mit dem niedrigsten Level der FIA-Umwelt-Akkreditierung honoriert. Unmittelbar vor dem ersten Rennwochenende nach der Sommerpause kam sozusagen der Ritterschlag: Das Rennsportteam hat jetzt die FIA Three Star Environmental Accreditation erhalten, die Top-Auszeichnung, die der Motorsportverband in dieser Hinsicht vergibt.

Um einen möglichen Einwand vorwegzunehmen: Die Auszeichnung wird zwar von der FIA verliehen, ob die entsprechenden Standards erreicht und eingehalten werden, prüft allerdings das unabhängige Institut BSI, das beispielsweise auch Qualitätsnormen wie die bekannte ISO 9001 in (Industrie-)Unternehmen zertifiziert.

Im Truckracing-Paddock ist T Sport Bernau damit ein Vorreiter und hat erreicht, was von der FIA für die finanziell ungleich besser ausgestatteten Formel 1-Starter als Standard festgelegt wurde. Übrigens: Ein entsprechendes Qualitätsmanagement ist auch die Voraussetzung für die Zulassung eines Teams bei den renommierten 24-Stunden von Le Mans, dem weltweit bedeutendsten Langstreckenrennen. Die Teamchefs Melanie Derflinger und Tim Frost erklären was nötig ist, um dieses Level zu erreichen: „Dafür musste T Sport Bernau ein umfassendes Umweltmanagementsystem nachweisen, das auf dokumentierten Prozessen, messbaren Zielen, der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen, kontinuierlicher Überwachung und nachweisbarer fortlaufender Verbesserung basiert. Im Rahmen des Akkreditierungsprozesses durchliefen wir ein umfangreiches unabhängiges Vor-Ort-Audit durch BSI. Dabei wurde das Umweltmanagementsystem des Teams anhand international anerkannter Umweltmanagementprinzipien auf Basis der ISO 14001 bewertet.“

ISO 14001 im Truckracing: Was das Umweltmanagementsystem kostet

Bei der Prüfung wurde die gesamte Organisation vom Werkstattbetrieb und den Renn- und Logistikaktivitäten über Energie- und Wassermanagement, Abfall und Recycling, nachhaltige Beschaffung und CO₂-Management bis hin zu Mitarbeiterschulungen, der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern, Luft- und Lärmemissionen sowie der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen genau unter die Lupe genommen. „Insgesamt mussten wir für die Prüfung und die damit verbundenen Maßnahmen einen niedrigen fünfstelligen Betrag aufwenden. Aber das war es uns wert, nicht zuletzt, weil wir sicher sind, dass die Three Star Environmental Accreditation auch bei den Verhandlungen mit Sponsoren ein gutes Argument ist,“ sagt Tim Frost. Wobei er noch Wert auf die Feststellung legt, dass man sich auf dem Award nicht ausruhen wolle: „Die drei Sterne sind ein wichtiger Meilenstein, aber nicht das Ziel unserer Reise. Im Motorsport geht es um kontinuierliche Weiterentwicklung, da ist man immer auf der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten. Für uns gilt das auch im Hinblick auf umweltbewusstes Handeln.“

ETRC 2026 in Most: Norbert Kiss baut Vorsprung nach der Sommerpause aus

Und übrigens: Die Sommerpause in der ETRC ist vorbei. Am letzten August-Wochenende pilgerten Teams und Fans traditionell nach Most in Tschechien. Eher traditionell fielen auch die zugehörigen Ergebnisse aus mit einem weiteren saftigen Punkteplus für Norbert Kiss.

Alles andere wäre eine faustdicke Überraschung gewesen: Norbert Kiss präsentiert sich auch nach der Sommerpause in Top-Form. In Most lieferte er vor den Rennen 1 und 3 jeweils die schnellste Rundenzeit ab und ließ die Konkurrenz anschließend auf der Elf-Runden-Distanz weit hinter sich.

Rennergebnisse in Most: Siege für Lukas Hahn und Steffi Halm

In den Läufen 2 und 4 mit gedrehtem Start stand am Samstag Lukas Hahn zusammen mit seinem Vater auf dem Podium – der Youngster ganz oben, Jochen auf Platz zwei und Kiss auf dem Bronzeplatz.

Im abschließenden Lauf am Sonntagnachmittag pflügte sich der Rekordmeister wie gewohnt durch das Feld und hängte sich auf den letzten Umläufen ans Heck von Steffi Halm, die dem Feld zunächst enteilt war. Der Blick in den Rückspiegel ließ keinen Zweifel aufkommen: Angesichts des Verfolgers war eine fehlerfreie Top-Performance gefragt.

Kiss beließ es bei der Verfolgung und verzichtete auf Attacken, der Sieg war für Halm ein versöhnlicher Abschluss eines Wochenendes, an dem vieles nicht so lief, wie sie sich das erhofft hatte. Auch für den local hero endete das Wochenende zur Freude der tschechischen Fans mit einem vorzeigbaren Ergebnis: Adam Lacko, der in diesem Jahr nach langer Pause zumindest an zwei Rennwochenenden dabei war, zog mit zusammengebissenen Zähnen eine beachtliche Verfolgerschar hinter sich um den Vier-Kilometer-Kurs und wurde am Ende hinter Halm und Kiss Dritter.