Für viele Speditionen und Transportunternehmen in Deutschland wird es jetzt ernst: Neue EU-Vorschriften im Mobilitätspaket 1 drohen teuer zu werden. Und viele Betriebe sind noch nicht vorbereitet. Eine aktuelle Umfrage des Tachographen-Spezialisten Kienzle zeigt: Fast jeder dritte Fuhrpark noch keine Maßnahmen umgesetzt. Gleichzeitig laufen die Fristen und bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 4.500 Euro pro Fall. Besonders betroffen sind kleine und mittlere Unternehmen.
Pflicht zur Nachrüstung trifft tausende Fahrzeuge
Kern der neuen Regelung:
Fahrzeuge zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen im grenzüberschreitenden Verkehr müssen bis zum 1. Juli 2026 mit einem intelligenten Tachographen der zweiten Generation ausgestattet werden. Das betrifft auch viele deutsche Betriebe, die regelmäßig im europäischen Ausland unterwegs sind.
Problem: Viele Fuhrparks haben die Umrüstung bislang noch gar nicht begonnen.
Jeder dritte Betrieb völlig unvorbereitet
Die Zahlen der Kienzle-Umfrage sind deutlich:
- 33,6 % haben noch keine Maßnahmen gestartet
- Ebenso viele planen keine Schulungen
- Nur 31 % fühlen sich ausreichend informiert
Mehr als ein Drittel bewertet den eigenen Vorbereitungsstand sogar als mangelhaft oder nicht vorhanden. Damit steigt das Risiko, die Frist zu verpassen – mit direkten finanziellen Folgen.
Umrüstung kostet schnell mehrere tausend Euro pro Fahrzeug
Ein Hauptgrund für die zögerliche Umsetzung sind die Kosten.
Laut Umfrage nennen:
- 57,8 % die Umrüstungskosten als größte Hürde
- 40,5 % unklare Vorschriften
- 35,3 % technische Probleme
Die Investition liegt im Schnitt bei mehreren tausend Euro pro Fahrzeug, hinzu kommen Schulungen und Prozessanpassungen. Gerade kleine Fuhrparks mit wenigen Fahrzeugen geraten dadurch schnell unter wirtschaftlichen Druck.
Verstöße können richtig teuer werden
Wer die Vorgaben nicht erfüllt, riskiert empfindliche Strafen.
Je nach EU-Land drohen:
- 1.500 bis 4.500 Euro Bußgeld pro Verstoß
- Mögliche Fahrzeugstilllegungen
- In Einzelfällen sogar strafrechtliche Konsequenzen
Auch in Deutschland wird es ernst: Das Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM) kann bei Verstößen mindestens 1.500 Euro Bußgeld verhängen. Eine Übergangsfrist nach dem Stichtag ist aktuell nicht vorgesehen.
Schulungen werden zum kritischen Risiko
Besonders problematisch ist die Situation bei der Qualifizierung.
- 33,6 % der Betriebe planen keine Schulungen
- Nur 14,7 % bewerten ihren Stand als sehr gut
Dabei betrifft die Umstellung nicht nur Technik, sondern auch:
- Prozesse
- Dokumentation
- Interne Abläufe
„Viele Betriebe unterschätzen den Aufwand komplett“, warnt Jan Kaumanns, CEO von Kienzle.

Kienzle-CEO Jan Kaumanns rät den betroffenen Unternehmen, jetzt strukturiert zu planen, um die Tachographenpflicht einhalten zu können.
Mobilitätspaket wird zur Belastungsprobe für kleine Betriebe
Die Umfrage zeigt: Vor allem kleinere Unternehmen sind betroffen.
- Rund 60 % mit weniger als 10 Mio. Euro Umsatz
- Knapp 60 % mit maximal 50 Mitarbeitenden
- Oft nur wenige Fahrzeuge im Einsatz
Für diese Betriebe können schon einzelne Verstöße existenzielle Folgen haben.
Digitalisierung kann auch Chancen bringen
Trotz aller Herausforderungen sieht Kienzle auch Chancen.
Die neuen Tachographen bieten:
- Genauere Datenerfassung
- Mehr Transparenz
- Höhere Rechtssicherheit
Unternehmen, die frühzeitig investieren, können ihre Prozesse langfristig effizienter gestalten.
In Kürze: die Key Facts
Thema: Mobilitätspaket 1 / Tachographenpflicht
Frist: 1. Juli 2026
Betroffene Fahrzeuge
- 2,5 bis 3,5 Tonnen
- Grenzüberschreitender Verkehr
Status der Branche
- 33,6 % ohne Maßnahmen
- 33,6 % ohne Schulungsplanung
- Nur 31 % gut informiert
Kosten
- Mehrere tausend Euro pro Fahrzeug
Strafen
- 1.500–4.500 Euro pro Verstoß
- Fahrzeugstilllegung möglich
Hauptprobleme
- Hohe Kosten
- Informationsdefizite
- Fehlende Schulungen






