Nissan Townstar EV: Fahrtest als Sammelfahrzeug

Nissan Townstar EV als Sammelfahrzeug
Der orange Saubermann

Klein, elektrisch und auffällig orange: Der Nissan Townstar EV tritt mit einem ungewöhnlichen Sammelaufbau zum Fahrtest an. Doch wie gut schlägt sich der kompakte Stromer zwischen engen Straßen, Müllsammelstellen und Stadtverkehr?

Ein Nissan Townstar EV mit orangefarbenem Sammelaufbau stellt sich dem Praxistest. Im Stadtverkehr überzeugt der kompakte Elektrotransporter mit seiner Wendigkeit. Doch Reichweite, Ladeleistung und Preis werfen Fragen auf.
Foto: Alexander Roller

Diesmal betritt ein eher ungewöhnlicher Zeitgenosse unseren Fuhrpark. Denn gerade in seinem auffälligen Orange und mit dem Sammelbehälter als Aufbau sticht er deutlich aus der Masse heraus. Basis des Fahrzeugs ist der Nissan Townstar EV, ein praktischer, kompakter Van für den Stadtverkehr.

Und genau hier soll er glänzen: Nissan vermarktet den E-Van als ideales Fahrzeug für den kommunalen Bereich – vom Mülltransport bis hin zur Streugutverteilung auf Gehwegen. Trotz seines Sammelbehälters weist das Fahrzeug noch immer kompakte Maße von 5,01 Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,87 Metern Höhe auf. Die Nutzlast bei unserem Testwagen beträgt bis zu 702 Kilogramm, und das zulässige Gesamtgewicht liegt beim Basisfahrzeug bei rund 2,5 Tonnen. Aufgrund dieser kompakten Maße und eines Wendekreises von 11,31 Metern schlängelt sich der E-Van mühelos durch den Stadtverkehr. Der Sammelbehälter wiederum stammt vom niederländischen Umbauspezialisten Veth Automotive. Kostenpunkt: 16.850 Euro netto.

Auffällig sind vor allem die orangefarbene Lackierung sowie die Gelblichtbalken auf dem Dach und an der Fahrzeugfront. Selbst bei nebligen Sichtverhältnissen sticht der Townstar so aus seiner Umgebung heraus – sehr gut! Für einen Einsatz als Streufahrzeug muss er allerdings noch mit einer Anhängerkupplung nachgerüstet werden, an der wiederum ein Streugutaufsatz montiert werden kann.

Blick in den Fahrzeuginnenraum

Im Fahrzeuginnenraum ist alles praktisch angeordnet, die Instrumente sind übersichtlich und auf das Wesentliche beschränkt – das Thema Alltagstauglichkeit steht hier definitiv im Fokus. Die Technik wirkt zwar etwas in die Jahre gekommen, aber solange alles funktioniert – Daumen hoch! Die Seitenspiegel bieten eine gute Übersicht, und eine Rückfahrkamera hilft beim Rangieren.

Leider verfügt das Fahrzeug über kein eingebautes Navigationsgerät. Bedenkt man aber die Einsatzzwecke des Townstar und die Möglichkeit, das Smartphone an einer entsprechenden Halterung anzubringen und darüber zu navigieren, ist das kein Beinbruch. Über Apple CarPlay oder Android Auto verfügte der Testwagen ebenfalls nicht. Per Bluetooth lässt sich das Smartphone aber zum Telefonieren und Musik hören koppeln.

Etwas lästiger fällt hingegen der begrenzte Verstellbereich des Fahrersitzes aus. Der Sitz lässt sich nicht weit nach hinten schieben, weshalb sich Fahrer ab etwa 1,85 Metern Körpergröße in ihrer Beinfreiheit eingeschränkt fühlen könnten.

Fahrverhalten und Reichweite

Etwas weniger eingeschränkt fühlt man sich dagegen beim Beschleunigen mit dem E-Van. Mit seinem 90 kW (122 PS) starken Elektromotor mit einem maximalen Drehmoment von 245 Nm fährt er sich präzise und komfortabel. Als Energiespeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie, die 45 kWh Kapazität aufweist und eine WLTP-Reichweite von 300 Kilometern verspricht. Bei höheren Geschwindigkeiten ab etwa 120 km/h auf der Autobahn klappert der Townstar allerdings merklich. Aber auch das sei ihm verziehen, dürfte er doch ohnehin meist im Stadtverkehr und bei deutlich geringeren Geschwindigkeiten unterwegs sein.

Bei einem Akkustand von 80 Prozent zeigt das Fahrzeug zudem eine verbleibende Reichweite von 156 Kilometern an – mit Rekuperation und sparsamem Eco-Modus möglicherweise etwas mehr. Recht überschaubar. Mit maximal 80 kW Ladeleistung lädt das Fahrzeug unter guten Bedingungen in etwa 40 Minuten von 10 auf 80 Prozent – bei einer durchschnittlichen Ladeleistung von rund 50 kW. Nicht wirklich schnell. Wenn allerdings das Laden unterwegs oder im Depot möglich ist und das Fahrzeug ohnehin keine langen Strecken zurücklegen muss, ist das vertretbar. Und immer wieder praktisch: Der Townstar ist ein Nasenlader.

Fazit zum Townstar

Was bleibt also abschließend über den kompakten Elektroflitzer zu sagen? Der Townstar EV hat klare Stärken und Schwächen. Er glänzt auf der Kurzstrecke und erfüllt seine Aufgaben im Stadtverkehr agil und zuverlässig. Die Batterie fällt allerdings klein aus, ebenso wie die Reichweite und die Ladeleistung. Auf der Langstrecke stößt das Fahrzeug deshalb schnell an seine Grenzen.

Besteht jedoch die Möglichkeit, den Townstar vor dem Einsatz vollständig aufzuladen, und ist er ohnehin nur regional unterwegs, passt das Fahrzeug gut zu seinem vorgesehenen Einsatzgebiet. Für den Townstar gibt es zudem eine Fünf-Jahres-Garantie bis 160.000 Kilometer Laufleistung, für die Batterie garantiert Nissan über acht Jahre eine Kapazität von mindestens noch 70 Prozent. Preislich liegt der Townstar EV als Kastenwagen L2 bei 34.510 Euro netto. Hinzu kommen 16.850 Euro netto für den Sammelbehälter. Unterm Strich sind das 51.360 Euro netto. Damit liegt der Stromer preislich ein gutes Stück über seinem Verbrennerpendant. Zu Zeiten stark steigender Benzinpreise gleicht sich das allerdings zeitnah wieder aus. Das Kaufkriterium dürfte vor allem die geplante Strecke für das Fahrzeug sein.