Flexis entwickelt voll vernetzte E-Fahrzeuge

Konzept für die urbane Logistik
Flexis entwickelt voll vernetzte E-Fahrzeuge

Flexis – ein Joint Venture von Renault, Volvo und CMA CGM – will mit Software-Defined Vehicles die letzte Meile revolutionieren. Der Marktstart in Europa ist für Ende 2026 geplant.

Flexis entwickelt voll vernetzte Elektro-Fahrzeuge für die urbane Logistik und will die letzte Meile revolutionieren – Marktstart in Europa ist für Ende 2026 geplant.
Foto: Flexis

Flexis hat sich Großes vorgenommen. Das französische Unternehmen – ein Joint Venture der Hersteller Renault und Volvo sowie des internationalen Logistikdienstleisters CMA CGM – will die urbane Logistik transformieren. „Wir wollen der führende Anbieter in urbaner Logistik im Bereich Fahrzeuge und Software werden“, sagt Andreas Kunkat, Head of Germany bei Flexis, im Gespräch mit trans aktuell. Die Gründe für den neuen Ansatz: der E-Commerce-Boom, steigende Kundenerwartungen und das Ziel von weniger Emissionen im Stadtverkehr.

Joint Venture von Renault, Volvo und CMA CGM startet in Europa

Trotz der drei großen Unternehmen im Rücken, die mehr als 700 Millionen Euro Kapital gewähren, agiere Flexis unabhängig. Die beiden Hauptsitze befinden sich in Villebon-sur-Yvette bei Paris und in Lyon. Der deutsche Hauptsitz liegt in Hamburg. Um das Unternehmensziel zu erreichen, entwickelt Flexis laut Kunkat Smartphones auf Rädern. Bei den Software-Defined Vehicles handelt es sich zudem um vollelektrische Fahrzeuge. Mittlerweile arbeiten rund 200 Menschen für Flexis, über Renault und Volvo besteht ein Netzwerk von mehr als 1.000 Ingenieuren.

Andreas Kunkat, Head of Germany bei Flexis
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„Wir wollen der führende Anbieter in urbaner Logistik im Bereich Fahrzeuge und Software werden“, sagt Andreas Kunkat, Head of Germany bei Flexis.

Marktstart ab 2026 – Produktion im Renault-Werk Sandouville

Der ehemalige CEO der Renault Group, Luca de Meo, gab seinen Ingenieuren die Vorgabe, Transporter nochmal neu zu denken. Das Ergebnis sind drei verschiedene Modelle. Der Step-in Van mit seinem 1,90 Meter hohen Innenraum, der Panel Van mit niedriger Fahrzeughöhe, sodass er in Tiefgaragen fahren kann, und der Cargo Van, der in seinem leicht veränderbaren Stufenheck verschiedene Breiten, Höhen und Ladeflächen integriert. Die Fahrzeuge kommen laut Kunkat Ende 2026 auf den Markt und rollen im Renault-Werk Sandouville (Frankreich) vom Band.

Fokus auf Kreislaufwirtschaft und Recycling

Mehr als 80 Prozent der Komponenten kommen aus Europa, dem Zielmarkt des Unternehmens. Rund 30 Prozent der Teile, die verbaut werden, sind recycelt. Rund 70 Prozent der fertiggestellten Fahrzeuge sind wieder recycelbar – Kreislaufwirtschaft ist also gegeben. Der Marktstart erfolgt zuerst in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. In einem zweiten Schritt ist er in Skandinavien und den Beneluxstaaten geplant. „Die Elektromobilität ist in diesen Ländern mit am weitesten entwickelt“, sagt Kunkat. Durch die 800 Volt-Architektur können die Transporter 80 Prozent in unter 20 Minuten laden und damit bis zu 450 Kilometer fahren. Ladeinfrastruktur bietet Flexis zwar nicht an, berät die Kunden aber.

Der Cargo Van integriert im leicht veränderbaren Stufenheck verschiedene Breiten, Höhen und Ladeflächen.
Flexis

Der Cargo Van integriert im leicht veränderbaren Stufenheck verschiedene Breiten, Höhen und Ladeflächen.

Die Beziehung zu den Kunden spielt bei dem Geschäftsmodell eine große Rolle. „Zu unseren Kunden zählen alle, die mit Fahrzeugen Geld verdienen wollen“, so Kunkat, der Flexis in Deutschland seit Juni 2024 aufbaut. Mit 20 Unternehmen wurden bereits Absichtserklärungen getroffen, darunter der Logistikdienstleister DB Schenker, der Paketdienstleister Hived und der französische Online-Lebensmittelhändler Chronodrive. Flexis entwickelt die Fahrzeuge gemeinsam mit den Kunden, das Ziel sind laut Kunkat perfekte Lieferfahrzeuge. Dadurch würden individuelle Kleinserien für verschiedene Segmente entstehen – zum Beispiel für temperaturgeführte Transporte.

Digitale Plattform steuert Flotten und minimiert Ausfälle

Eine eigens entwickelte Flexis-Software soll für mehr Effizienz sorgen. „Die Prozesse können mithilfe der Software vorab gesteuert werden, sodass es keine Ausfälle mehr gibt“, sagt Kunkat. Es sorge in der urbanen Logistik für Stress, wenn nicht ausreichend Fahrzeuge bereitstehen. Nicht nur die Downtime werde minimiert. Die betriebliche Effizienz werde erhöht und das Energie- und Laderaummanagement organisiert.

Die Fahrer bekommen den perfekten Arbeitsplatz, mit leichtem Einstieg.
Flexis

Die Fahrer bekommen den perfekten Arbeitsplatz, mit leichtem Einstieg.

Die Kunden erhalten Zugang zu einer digitalen Plattform von Flexis und dem europaweiten Servicenetzwerk von Renault und Volvo. Das Customer Operation Center überwacht unter anderem die Flotten in Echtzeit und erstellt Diagnosen und personalisierte Leistungsberichte.

Fahrer im Fokus: ergonomische Fahrzeuge für die letzte Meile

Einen weiteren zentralen Punkt bilden die Fahrer. Sie bekommen laut Kunkat den perfekten Arbeitsplatz. Zum Beispiel ermögliche die sogenannte Skateboard-Plattform mit einer Bodenhöhe von 51 Zentimetern einen leichten Einstieg, der laut Flexis dafür sorgt, dass das Fahrpersonal bis zu 250 Stufen weniger pro Tag bewältigen muss. Der Wendekreis von 10,3 Metern vereinfache das Fahren in der Stadt und die vernetzte Armaturentafel reduziere die Anzahl der Bildschirme und erleichtere die Bedienung. Alle Daten und Prozesse erfolgen papierlos und automatisiert. „Die Fahrer benötigen ihre Smartphones nur noch zum Scannen der Ware“, sagt Kunkat.

Die Vorbereitungen für den Marktstart laufen auf Hochtouren. Im Sommer 2026 kommen die ersten Fahrzeuge zu Testzwecken nach Deutschland. Flottenbetreiber dürfen gespannt sein.

Das Unternehmen

  • Bei Flexis handelt es sich um ein Joint Venture der Hersteller Renault und Volvo sowie des internationalen Logistikdienstleisters CMA CGM.
  • Die beiden Hauptsitze befinden sich in Villebon-sur-Yvette bei Paris und in Lyon.
  • CEO: Philippe Divry.
  • Rund 200 Mitarbeitende.
  • Flexis entwickelt drei elektrische Fahrzeug-Modelle: Step-in Van, Panel Van, Cargo Van. Sie sollen ab Ende 2026 auf den Markt kommen. Die eigens entwickelte Software soll unter anderem für mehr Effizienz sorgen.