Trailer-Hersteller schließen sich zusammen: 30 CEOs haben sich im belgischen Koningshooikt getroffen und eine gemeinsame Erklärung und Petition auf den Weg gebracht, um die CO2-Verordnung 2024/1610 zur Vecto-Bewertung von Trailern mindestens zu überarbeiten. Mit am Tisch saßen die beiden Mitglieder des Europäischen Parlaments Kris Van Dijck (Belgien) und Jens Gieseke (Deutschland).
Trailerbranche: Vecto-Methodik bildet Realität nicht ab
Die Branche stehe hinter den Klimazielen der EU, so der Trailerhersteller Krone in einer Mitteilung. Aber man warne, dass die derzeitige Vecto-Methodik die Emissionen sogar erhöhen, Arbeitsplätze kosten und die Deindustrialisierung weiter vorantreiben könnte.
Der Hintergrund: Die Verordnung weite die CO2-Vorgaben auf Anhänger aus, obwohl die gezogenen Einheiten selbst kein CO2 ausstoßen. Damit mache die EU die Hersteller für simulierte Emissionen verantwortlich, die mit dem Vecto-Tool berechnet werden. Dieses beruhe demnach auf standardisierten Referenzlasten und Fahrzyklen. Diese Methodik bilde die betrieblichen Realitäten des europäischen Straßentransports aber nicht ab, so die Hersteller unisono. Nicht berücksichtigt werde, wie vielfältig Anhängereinsätze in der Praxis ausfallen, welche Nutzlast- und Ladeanforderungen tatsächlich vorherrschen und in welchem Maße sich emissionsfreie Zugmaschinen verbreiten.
Gieseke fordert evidenzbasierte Überprüfung noch 2026
„Man kann der europäischen Industrie nicht auftragen, den grünen Wandel anzuführen, und ihr zugleich den Wettbewerb unmöglich machen. Die Anhängerbranche ist bereit zu liefern, aber die Ziele müssen technisch erreichbar sein. Wir brauchen jetzt, 2026, eine evidenzbasierte Überprüfung – nicht 2027, wenn der Schaden womöglich schon angerichtet ist", sagte der Europaabgeordnete Jens Gieseke.
Mehr Fahrten, mehr CO2: Die paradoxe Wirkung von Vecto
Die Hersteller warnen, dass es durch die Vecto-Anforderungen zu Konstruktionsänderungen kommen könne, welche die nutzbare Ladekapazität verringern. In der Folge käme es zu mehr Fahrten insgesamt, mehr Leerfahrten und mehr Fahrzeugen auf der Straße, um dieselbe Menge an Gütern zu bewegen. Am Ende würde das mehr CO2-Ausstoß bedeuten und nicht weniger. Auch finanziell gleicht Vecto einem Damoklesschwert. Ab 2030 würde demnach eine Überschreitungsprämie in Höhe von 4.250 Euro pro Gramm CO2 pro Tonnenkilometer über dem Zielwert anfallen – für jedes zugelassene Fahrzeug. Jährliche Strafzahlungen in Millionenhöhe wären die Folge. Damit geraten rund 70.000 Arbeitsplätze in ganz Europa nur in der Anhängerindustrie in Gefahr. „Dekarbonisierung darf nicht zur Deindustrialisierung werden. Die Antwort ist nicht, die Klimaambitionen aufzugeben. Sie liegt darin, sicherzustellen, dass unsere Politik auf der Realität beruht, auf vorhandener Technologie und auf Ergebnissen, die tatsächlich erreichbar sind. Deshalb unterstütze ich eine ernsthafte Überprüfung der derzeitigen Methodik – nicht, weil wir schwächere Regeln wollen, sondern weil wir Regeln wollen, die Emissionen senken und die europäische Industrie stärken", sagte der Europaabgeordnete Kris Van Dijck.
Die fünf Forderungen der Petition im Wortlaut
- Die Überprüfung nach Artikel 15 von 2027 auf 2026 vorziehen. Die Referenzwerte unmittelbar nach dem Monitoring veröffentlichen und die Flottenziele auf erreichbare Werte senken, zum Beispiel 5 Prozent ab 2030, schrittweise eingeführt.
- Die Flottenziele ab dem 1. Juli 2030 schrittweise einführen, um Marktverzerrungen und absehbare Arbeitsplatzverluste zu vermeiden.
- Ein Moratorium für Strafzahlungen einführen und die Höhe der Strafen anpassen, die in keinem Verhältnis zum Marktpreis der Fahrzeuge steht.
- Das Vecto-Tool für Anhänger grundlegend überarbeiten, damit Fahrzeuge mit vergleichbarem Einsatzzweck fair verglichen werden und der wachsende Anteil emissionsfreier Zugmaschinen berücksichtigt wird. Ziele und Abgaben sollten sich an der Marktdurchdringung emissionsfreier Zugmaschinen orientieren und vollständig entfallen, sobald diese einen Marktanteil von 70 Prozent erreichen.
- Anerkennen, dass das geplante Gutschrift-und-Lastschrift-System im aktuellen Zeitrahmen weitgehend wirkungslos ist, weil die notwendigen Anhängertechnologien nicht schnell genug in nennenswertem Umfang auf den Markt kommen können.
Schulze Isfort: Jeder Monat Verzögerung kostet Investitionen und Arbeitsplätze
„Heute haben dreißig Wettbewerber ihre Rivalität beiseitegelegt, um Brüssel eine einzige Botschaft zu senden. Wir fordern nicht weniger Klimaschutz. Wir fordern Regeln, die Emissionen senken, statt Hersteller für eine fehlerhafte Simulation zu bestrafen. Die Überprüfung nach Artikel 15 muss vorgezogen werden – jeder Monat Verzögerung kostet Investitionen, Arbeitsplätze und Glaubwürdigkeit", sagte Gero Schulze Isfort, Sprecher der Streitgemeinschaft von acht führenden deutschen Anhängerherstellern.







