Double-Deck-Trailer: bis zu 55 Paletten

Royal Burgers und Emons kooperieren
Double-Deck-Trailer soll Leerfahrten reduzieren

Royal Burgers und Emons entwickeln einen Double-Deck-Trailer für bis zu 55 Paletten. Ein verstellbarer Ladeboden soll vor allem ein Problem lösen: geeignete Rückfrachten zu finden.

Neuer Double-Deck-Trailer von Royal Burgers und Emons, der auf der IAA Transportation 2026 in Hannover Premiere feiert.
Foto: Royal Burgers

Der Trailer-Hersteller Royal Burgers und der Logistikdienstleister Emons entwickeln gemeinsam eine neue Generation des Double-Deck-Trailers. Bis zu 55 Paletten sollen auf zwei Ebenen Platz finden. Der eigentliche Clou liegt aber woanders: Ein verstellbarer Ladeboden soll aus dem Volumenspezialisten bei Bedarf einen konventionell nutzbaren Trailer machen – und damit ein typisches Problem solcher Spezialfahrzeuge lösen. Zu sehen ist das Ganze auf der IAA Transportation 2026 (Halle 27, Stand F38).

(K)eine Frage der Rückladung

Mehr Ladung pro Lkw bedeutet weniger Lkw für dieselbe Warenmenge. Diese Rechnung ist nicht neu. Angesichts steigender Transportkosten, Fahrermangels und wachsender Anforderungen an die CO₂-Bilanz gewinnt sie allerdings an Bedeutung. Royal Burgers und die Emons Group wollen deshalb das bekannte Double-Deck-Prinzip weiterentwickeln. Gemeinsam haben der niederländische Trailerhersteller und der Logistiker eine neue Generation des Doppelstocktrailers entwickelt, die auf der IAA Transportation 2026 in Hannover ihre öffentliche Premiere feiern soll. Royal Burgers bezeichnet die gemeinsam mit Emons entwickelte Lösung inzwischen als „Dock to Dock“. Das Konzept soll einen wesentlichen Nachteil hoch spezialisierter Volumentrailer beseitigen: Sie können zwar besonders viel transportieren, sind aber nicht zwangsläufig für jede Ladung geeignet.

Bis zu 55 statt 33 Paletten

Die Rechnung hinter dem Doppelstockprinzip ist zunächst simpel. Statt nur einer stehen im Trailer zwei Ladeebenen zur Verfügung. Royal Burgers nennt für die neue Double-Deck-Generation je nach Ausführung eine Kapazität von 53 bis 55 Paletten. Ein konventioneller Trailer nimmt im Vergleich dazu 33 Europaletten auf. Der Hersteller spricht entsprechend von rund 60 Prozent mehr Volumen pro Fahrt. Emons setzt solche Doppelstocktrailer bereits seit Jahren in seinem „2WIN-Netzwerk“ ein. Die bisherigen Fahrzeuge können bis zu 54 Europaletten oder 39 bis 40 Industriepaletten aufnehmen. Besonders interessant ist das Konzept für nicht stapelbare palettierte Waren beziehungsweise Rollcontainer mit einer Höhe von etwa 130 bis 180 Zentimetern. Typische Einsatzgebiete finden sich deshalb unter anderem im Lebensmittelbereich, im Handel, in der Modebranche und im E-Commerce.

Zwei Doppelstock-Trailer können drei Standard-Trailer ersetzen

Wie groß der Kapazitätsvorteil ausfallen kann, zeigt eine weitere Rechnung von Emons: Zwei 2WIN-Trailer können zusammen bis zu 108 Europaletten aufnehmen. Drei konventionelle Trailer kommen bei jeweils 33 Stellplätzen auf 99 Paletten. Unter geeigneten Einsatzbedingungen lassen sich damit Transportbewegungen einsparen. Emons beziffert den Kapazitätsvorteil seines bisherigen Systems auf bis zu 64 Prozent und spricht von bis zu 39 Prozent weniger Transportbewegungen. Allerdings hat die Sache einen Haken: Die Rechnung funktioniert nur, wenn die Ladung auch zum Trailer passt. Ein 2WIN ist gerade kein universeller Ersatz für einen Standardauflieger. Das bisherige Konzept spielt seine Vorteile vor allem bei vergleichsweise leichten, nicht stapelbaren Gütern aus. Für Europaletten nennt Emons beispielsweise ein maximales Gewicht von rund 400 Kilogramm.

Spezialtrailer können bei der Rückfracht zum Problem werden

Genau hier setzt die gemeinsam mit Royal Burgers entwickelte neue Generation an. Denn hohe Kapazität auf der Hinfahrt hilft einem Transportunternehmen nur bedingt, wenn sich für die Rückfahrt keine geeignete Ladung findet. Im ungünstigsten Fall führt die Spezialisierung des Fahrzeugs damit zu zusätzlichen Leerfahrten. Der neue Trailer soll deshalb erheblich flexibler werden. Zentrales Element ist ein vollständig verstellbarer Ladeboden. Für klassische Double-Deck-Transporte stehen weiterhin zwei Ebenen zur Verfügung. Werden diese nicht benötigt, lässt sich der Innenraum so konfigurieren, dass eine Höhe von 2,50 Metern zur Verfügung steht. Dann kann das Fahrzeug auch 33 Europaletten in voller Höhe aufnehmen. Emons nennt alternativ 26 UK-Paletten. Damit wird aus dem Spezialisten zwar nicht vollständig ein konventioneller Trailer. Die Einsatzmöglichkeiten wachsen aber erheblich – insbesondere für Rückladungen.

Weniger Leerfahrten statt nur mehr Paletten

Und genau darin dürfte der eigentliche Fortschritt gegenüber dem bisherigen Konzept liegen. Royal Burgers und Emons stellen nicht allein die maximale Kapazität in den Mittelpunkt. Vielmehr soll der Trailer innerhalb eines Transportnetzwerks unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Auf einer Relation könnte er beispielsweise eine leichte Volumenladung auf zwei Ebenen transportieren und auf dem Rückweg eine Ladung übernehmen, für die die volle Innenhöhe benötigt wird. Royal Burgers bezeichnet diese zusätzliche Möglichkeit ausdrücklich als Instrument zur Netzwerkoptimierung und nicht als Versuch, mit einem Spezialfahrzeug in Konkurrenz zum gewöhnlichen 33-Paletten-FTL-Trailer zu treten.

Standardrampe statt Sonderprozess

Auch beim Be- und Entladen wollen die Entwickler einen Nachteil bisheriger Doppelstocklösungen reduzieren. Der Dock-to-Dock-Trailer soll direkt an herkömmlichen Laderampen eingesetzt werden können. Über den verstellbaren Boden lassen sich beide Ladeebenen von der Rampe aus bedienen. Damit soll sich das Fahrzeug besser in bestehende Abläufe von Lagern und Logistikzentren integrieren lassen. Das ist für die Alltagstauglichkeit mindestens so wichtig wie die zusätzliche Palettenkapazität. Schließlich bringt ein höheres Transportvolumen wenig, wenn dafür an jedem Be- und Entladepunkt aufwendige Sonderprozesse notwendig sind. Nach Angaben der beiden Unternehmen wurden bei der Entwicklung deshalb auch bestehende Warehouse-Prozesse, Andockvorgänge sowie Anforderungen an Qualität, Gesundheit, Umwelt und Sicherheit berücksichtigt.

Auch Bahn und Short Sea vorgesehen

Die Entwickler wollen die Einsatzmöglichkeiten nicht auf den klassischen Straßentransport beschränken. Die neue Generation ist auch für Schiene und Short-Sea-Verkehre ausgelegt. Darüber hinaus nennt Royal Burgers Anwendungen in längeren Fahrzeugkombinationen. In der Mitteilung ist von EcoCombi und Super EcoCombi die Rede. Auf der eigenen IAA-Seite führt Royal Burgers zudem eine separate Drawbar-Double-Deck-Lösung für entsprechende Lang-Lkw-Konzepte auf. Damit zielt das Konzept insbesondere auf Transportketten, bei denen große Mengen leichter beziehungsweise volumenintensiver Güter über längere Strecken bewegt werden.

Doppelstocktrailer bleibt eine Nischenlösung

Trotz aller Flexibilität wird auch die neue Generation kein Alleskönner. Die größten Vorteile entstehen weiterhin bei voluminösen, nicht stapelbaren und vergleichsweise leichten Gütern. Bei schweren Ladungen wird dagegen nicht der verfügbare Raum, sondern das zulässige Fahrzeuggewicht zum begrenzenden Faktor. Das erklärt auch, warum sich Doppelstocktrailer trotz ihrer erheblich größeren Palettenkapazität bislang nicht flächendeckend im europäischen Fernverkehr durchgesetzt haben. Für die passenden Warenströme kann die Rechnung allerdings interessant sein: Werden mehr Paletten je Fahrt transportiert und gleichzeitig geeignete Rückladungen gefunden, sinkt die Zahl der notwendigen Fahrten – und damit können auch Fahrerbedarf, Energieverbrauch und Transportkosten je beförderter Einheit zurückgehen. Wie groß dieser Vorteil mit der neuen Generation tatsächlich ausfällt, werden Royal Burgers und Emons allerdings noch unter realen Bedingungen zeigen müssen.

Premiere auf der IAA Transportation

Erstmals öffentlich präsentieren wollen die beiden Unternehmen den neuen Dock-to-Dock-Trailer auf der IAA Transportation 2026 vom 15. bis 20. September in Hannover. Royal Burgers stellt in Halle 27 am Stand F38 sowie im Außenbereich S33 aus. Neben Dock to Dock kündigt der Hersteller dort weitere Double-Deck-Lösungen an, darunter ein neues Smart System sowie Varianten für Lang-Lkw und die urbane Distribution.

In Kürze: die Key Facts

  • Entwickler: Royal Burgers und Emons Group
  • Name: Dock to Dock / Next Generation 2WIN
  • Kapazität: je nach Angabe bis zu 55 Europaletten
  • Standardtrailer: 33 Europaletten
  • Kerninnovation: vollständig verstellbarer Ladeboden
  • Alternative Konfiguration: 33 Europaletten bei 2,50 m Innenhöhe
  • Ziel: mehr geeignete Rückladungen und weniger Leerfahrten
  • Beladung: beide Ebenen über Standard-Laderampen
  • Weitere Verkehrsträger: Schiene und Short Sea
  • Premiere: IAA Transportation 2026 in Hannover