Wer heute einen elektrischen Sattelschlepper fährt, kennt das Dilemma: Die EU erlaubt zwar bis zu zwei Tonnen mehr Gesamtgewicht für e-Züge – doch die Achslastgrenzen bleiben dieselben wie beim Diesel. Das Ergebnis ist ein handfestes Nutzlastproblem, das den wirtschaftlichen Vorteil der Mautbefreiung schnell wieder auffressen kann. Der Trailerhersteller Kögel will das mit einem überarbeiteten Auflieger lösen.
Achslastgrenze 11,5 Tonnen: Warum E-Lkw Nutzlast verlieren
Die EU-Richtlinie 96/53/EG gestattet für e-Zugmaschinen ein Gesamtzuggewicht von bis zu 42 Tonnen – zwei Tonnen mehr als beim Diesel. Der Grund: Das schwere Batteriepaket soll rechnerisch ausgeglichen werden. Doch laut Kögel liegt genau hier der Haken: Die Batterie sitzt überwiegend auf der Antriebsachse, deren Grenzwert weiterhin bei maximal 11,5 Tonnen liegt. In der Kombination aus Standard-Sattelauflieger und e-Zugmaschine wird dieser Wert laut Kögel in vielen Fällen bereits überschritten. Die Folge: weniger Nutzlast, nicht mehr. Konkret gibt Kögel an, dass die maximale Nutzlast bei einem e-Truck mit Standardtrailer und gleichmäßiger Ausladung bei rund 20 Tonnen liegt.
Das ist kein Randproblem: Laut einer ING-Research-Studie, auf die Kögel verweist, dürfte der Marktanteil schwerer Elektro-Lkw von rund 3 Prozent im Jahr 2025 auf mehr als 5 Prozent im Jahr 2026 steigen – modellbasiert entspricht das etwa 20.000 Einheiten. Als Treiber nennt Kögel verschärfte EU-CO₂-Standards, ein wachsendes BEV-Modellangebot, sinkende Betriebskosten, den Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die bis 2031 verlängerte Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw.
300 mm kürzer: Kögels technische Antwort auf das E-Truck-Problem
Kögels Antwort heißt e-optimierter Kögel Light Plus. Das Fahrzeug basiert auf dem bestehenden Light Plus, der bereits auf Leichtbau und Nutzlastmaximierung ausgelegt ist. Die zentrale Änderung: Der Radstand zwischen Königszapfen und erster Trailerachse wurde laut Kögel um 300 Millimeter verkürzt. Das verringert den Druck auf die Antriebsachse der Zugmaschine laut Herstellerangaben um bis zu zwei Tonnen gegenüber einem Standard-Planenfahrzeug – und hält die Achslast damit im gesetzlich zulässigen Bereich.
Laut Kögel lassen sich damit – abhängig vom Typ der e-Zugmaschine – bis zu vier Tonnen mehr Nutzlast realisieren als mit einem Standardtrailer. Wer zusätzlich ein System zur dynamischen Radstandregelung einsetzt, kann laut Kögel nochmals rund eine Tonne herausholen und damit das maximal zulässige Zuggesamtgewicht von 42 Tonnen vollständig ausnutzen. Der verkürzte Achsabstand soll dabei laut Kögel weder den Reifenverschleiß in Kurven erhöhen noch das Nachlaufverhalten des Aufliegers – beladen wie unbeladen – verschlechtern.
WIM-Technologie: Digitale Waagen machen Überladung riskanter
Der Zeitpunkt der Markteinführung ist nicht zufällig gewählt: In Deutschland sollen künftig neben stationären Waagen verstärkt digitale Systeme auf Basis der WIM-Technologie (Weight-in-Motion) eingesetzt werden, die Überladungen im fließenden Verkehr erkennen können. Laut Kögel drohen bei Verstößen Bußgelder sowie das verpflichtende Entladen von Teilen der Fracht – ein Risiko, das Transportunternehmer mit e-Trucks und Standardauflieger künftig stärker im Blick haben müssen.
Kögel Light Plus: Ab sofort für alle E-Zugmaschinen verfügbar
Der e-optimierte Kögel Light Plus ist laut Hersteller für emissionsfreie Zugmaschinen aller Marken geeignet und ab sofort verfügbar.





