Der Automobilzulieferer ZF verkauft seine Bilanz 2025 als Fortschritt. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell: Der Konzern steckt weiterhin tief im Umbau – und zahlt dafür einen hohen Preis. Zwar ist es gelungen, die operative Marge zu verbessern und den Cashflow deutlich zu steigern. Gleichzeitig aber rutscht ZF unter dem Strich in die roten Zahlen. Mit einem Verlust von rund 2,1 Milliarden Euro fällt das Ergebnis deutlich negativ aus. Ein Wert, der sich auch mit Einmaleffekten nicht einfach relativieren lässt.
Zwischen Fortschritt und Realität
Auf den ersten Blick liefert ZF durchaus Argumente für eine positive Lesart. Die bereinigte EBIT-Marge steigt von 3,5 auf 4,5 Prozent, das operative Ergebnis verbessert sich. Auch der Free Cashflow fällt mit 1,4 Milliarden Euro deutlich stärker aus als im Vorjahr. Doch diese Fortschritte entstehen nicht aus Wachstum, sondern vor allem aus Einschnitten. Der Umsatz sinkt gleichzeitig um rund sechs Prozent auf 38,8 Milliarden Euro. Das Marktumfeld bleibt schwach, echte Nachfrageimpulse fehlen. Der Konzern wächst nicht, er stabilisiert sich auf niedrigerem Niveau.
Die Last der Vergangenheit
Besonders deutlich wird die Lage beim Blick auf die Ursachen des Verlusts. ZF trennt sich von unprofitablen Projekten in der Elektromobilität und nimmt dafür Abschreibungen in Milliardenhöhe in Kauf. Allein dieser Schritt belastet die Bilanz mit rund 1,6 Milliarden Euro. Was strategisch sinnvoll erscheint, zeigt gleichzeitig, wie stark sich die Erwartungen an die E-Mobilität verschoben haben. Projekte, die noch vor wenigen Jahren als Zukunftstreiber galten, rechnen sich heute nicht mehr. Für ZF bedeutet das: Der Weg in die Zukunft wird teurer und steiniger als geplant.
Schulden bleiben ein zentrales Risiko
Auch beim Thema Verschuldung lohnt sich ein zweiter Blick. Zwar gelingt es dem Konzern, die Nettoschulden leicht zu reduzieren. Doch mit 10,2 Milliarden Euro bleibt der Schuldenberg enorm. Gerade in einem Umfeld steigender Finanzierungskosten ist das ein entscheidender Faktor. ZF muss einen erheblichen Teil seiner finanziellen Spielräume dafür nutzen, Zinsen zu bedienen und Verbindlichkeiten abzubauen. Wachstum rückt damit zwangsläufig in den Hintergrund.
Sparprogramm zeigt Wirkung – und Folgen
Der Umbau des Konzerns zeigt sich auch deutlich bei den Beschäftigtenzahlen. Weltweit hat ZF im vergangenen Jahr mehrere tausend Stellen abgebaut, auch in Deutschland ist die Belegschaft spürbar geschrumpft. Offiziell erfolgt der Abbau sozialverträglich, über Programme wie Altersteilzeit oder freiwillige Abfindungen. Dennoch bleibt der Effekt klar: ZF reduziert Kapazitäten, um die Kostenstruktur an die neue Realität anzupassen. Parallel dazu werden auch Investitionen und Ausgaben zurückgefahren. Sowohl bei Forschung und Entwicklung als auch bei Sachinvestitionen liegen die Werte unter dem Vorjahr. Das hilft kurzfristig der Bilanz, wirft aber langfristig Fragen zur Innovationskraft auf.
Verkauf von Geschäftsteilen als Teil der Strategie
Zusätzlichen Spielraum verschafft sich ZF durch den Verkauf von Unternehmensteilen. Besonders im Fokus steht die Veräußerung des ADAS-Geschäfts an Harman, die mit rund 1,5 Milliarden Euro bewertet wird. Solche Schritte sind typisch für Unternehmen in der Restrukturierung. Sie helfen, Schulden abzubauen und die Organisation zu verschlanken. Sie zeigen aber auch, dass sich der Konzern neu aufstellen muss.
Keine schnelle Erholung in Sicht
Für das laufende Jahr bleibt der Ausblick verhalten. ZF rechnet selbst nicht mit einem deutlichen Wachstum, sondern stellt weiterhin die Profitabilität in den Mittelpunkt. Das bestätigt den Eindruck: Der Konzern befindet sich nicht in einer Phase des Aufschwungs, sondern in einer Übergangsphase. Die entscheidende Frage ist nicht, wie schnell ZF wächst, sondern wie stabil es aus dem Umbau hervorgeht.
Fazit: Fortschritt mit bitterem Beigeschmack
Die Bilanz 2025 zeigt zwei Seiten. Auf der einen Seite stehen operative Verbesserungen, ein stärkerer Cashflow und erste Fortschritte beim Schuldenabbau. Auf der anderen Seite stehen ein deutlicher Umsatzrückgang, Milliardenverluste und ein massiver Umbau des Unternehmens. ZF ist damit ein Beispiel für die aktuelle Lage vieler Automobilzulieferer: Die Transformation läuft, aber sie ist teuer, komplex und alles andere als abgeschlossen. Oder anders gesagt: Die Zahlen zeigen Fortschritt. Die Realität zeigt vor allem Druck.






