Paul Truck: Vier Spezialfahrzeuge zur IAA 2026

Paul Truck auf der IAA Transportation
Vier Spezialfahrzeuge für extreme Einsätze

Vom elektrischen Kehrfahrzeug bis zur 250-Tonnen-Schwerlastzugmaschine: Paul Truck zeigt auf der IAA 2026 vier Spezialfahrzeuge für extreme Einsätze, Kommunen und schwere Transporte.

Neuheiten von Paul Truck (Paul Nutzfahrzeuge) auf der IAA Transportation 2026 in Hannover
Foto: Paul Truck

Ein Elektro-Lkw für die Kehrmaschine, ein 250-Tonnen-Schwerlastzug, ein 14x6-Spezialchassis und ein Kommunalfahrzeug für Sommer wie Winter: Paul Truck nutzt die IAA Transportation 2026, um zu zeigen, wie weit sich Serienfahrzeuge für spezielle Anwendungen umbauen lassen.

Für spezielle Einsätze modifiziert

Wenn der Serien-Lkw nicht mehr reicht, beginnt das Geschäft von Paul Nutzfahrzeuge. Der Fahrzeugbauer aus Vilshofen an der Donau zeigt auf der IAA Transportation 2026 vier Umbauten, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Im Freigelände unter dem EXPO-Holzdach an Stand K66 reicht das Spektrum vom batterieelektrischen Kehrmaschinenfahrzeug über schwere Mehrachsfahrgestelle bis hin zur 250-Tonnen-Schwerlastzugmaschine. Gemeinsam ist den Exponaten vor allem eines: Ausgangspunkt sind Serienfahrzeuge von Mercedes-Benz Trucks, die Paul für sehr spezielle Einsätze tiefgreifend modifiziert.

eActros 400 wird zur elektrischen Kehrmaschine

Besonders interessant ist dabei ein umgebauter Mercedes-Benz eActros 400. Das batterieelektrische Fahrgestell dient als Basis für eine Kehrmaschine. Damit der notwendige Aufbau überhaupt Platz findet, greift Paul tief in die Fahrzeugarchitektur ein. Die Batterien wandern in einen Batterieturm hinter dem Fahrerhaus. Auch E-Maschine und Inverter werden neu positioniert. Dadurch entsteht unter und neben dem Rahmen zusätzlicher Bauraum für die Kehrtechnik. Hinzu kommt ein vollständig in das Hochvolt- und Kühlsystem integrierter mPTO, der die Hydraulik des Aufbaus elektrisch mit Energie versorgt. Das Fahrzeug verfügt nach Angaben von Paul über 400 kWh Batteriekapazität, kann mit bis zu 400 kW Gleichstrom geladen werden und ist für ein zulässiges Gesamtgewicht von 44 Tonnen ausgelegt. Damit will Paul zeigen, dass batterieelektrische Serienfahrzeuge nicht auf klassische Verteileraufgaben beschränkt bleiben müssen.

Schwerlastzugmaschine für bis zu 250 Tonnen

Am anderen Ende des Einsatzspektrums steht der Actros 8x6/4 SLT. Ausgangspunkt ist ein Mercedes-Benz Actros 6x4. Durch eine zusätzliche Achse entsteht daraus eine vierachsige Schwerlastzugmaschine mit einer Achsanordnung von 1+3. Das zulässige Zuggesamtgewicht gibt Paul mit bis zu 250 Tonnen an. Bemerkenswert ist dabei nicht allein die Zugkraft. Das Fahrzeug ist ausdrücklich für schwierige topografische Bedingungen gedacht. Trotz seiner Dimensionen soll es auf einen Wendekreis von lediglich 17,5 Metern kommen. Damit zielt das Konzept unter anderem auf schwere Transporte in engen und steilen Hochgebirgsregionen.

Sieben Achsen und bis zu 76 Tonnen Gesamtgewicht

Noch auffälliger dürfte der Arocs 14x6/10 sein. Das Spezialfahrgestell basiert auf einem Mercedes-Benz Arocs 8x6/4, wurde von Paul jedoch auf insgesamt sieben Achsen erweitert. In der gezeigten Konfiguration beträgt die Achsanordnung 3+4. Je nach Ausführung sind laut Hersteller bis zu 76 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht möglich. Damit ein Fahrzeug dieser Länge dennoch manövrierbar bleibt, setzt Paul auf Achslastausgleich sowie eine elektrohydraulische Zusatzlenkung. Typische Anwendungen sind schwere Betonpumpen, Hubarbeitsbühnen oder Mobilkrane. Das IAA-Fahrzeug wurde ursprünglich speziell für den australischen Markt entwickelt und besitzt eine deutsche TÜV-Einzelzulassung.

Ein Kommunalfahrzeug für Sommer und Winter

Das vierte Exponat setzt weniger auf maximale Dimensionen, dafür aber auf möglichst viele Einsatzmöglichkeiten. Basis ist ein Mercedes-Benz Arocs 2643 AK 6x4/4, den Paul zu einem multifunktionalen Kommunalfahrzeug umbaut. Im Winter kann das Fahrzeug mit Frontpflug und Streumaschine eingesetzt werden. Im Sommer trägt es einen Abrollbehälter und einen Kran. Hinzu kommen Aufgaben bei der Absicherung von Arbeitsstellen. Zur Ausstattung gehören unter anderem ein Palfinger PK 14502-SH, ein teleskopierbarer Abrollkipper vom Typ PH T 20 SLD5 mit 20 Tonnen Hubkraft und eine Load-Sensing-Kommunalhydraulik. Der Gedanke dahinter ist simpel: Statt für jeden Einsatzzweck ein eigenes Fahrzeug vorzuhalten, sollen Kommunen und Dienstleister eine Plattform möglichst ganzjährig auslasten können.

Paul beteiligt sich auch am eArocs 400

Der eigene Messestand zeigt allerdings nicht alle Projekte, an denen Paul beteiligt ist. Ein weiteres Fahrzeug steht bei Mercedes-Benz Trucks in Halle 19/20: der eArocs 400. Das batterieelektrische Baufahrzeug hatte bereits auf der Bauma 2025 seine Weltpremiere. Paul war nach eigenen Angaben gemeinsam mit Daimler Truck an Entwicklung und Elektrifizierung beteiligt. Die Integration des elektrischen Antriebsstrangs findet am Standort Vilshofen an der Donau statt. Damit zeigt sich ein zweiter Teil des Geschäftsmodells: Paul baut nicht nur einzelne Sonderfahrzeuge für Endkunden, sondern arbeitet auch als Entwicklungspartner für Hersteller.

Spezialfahrzeuge werden elektrisch – aber nicht einfacher

Gerade der umgebaute eActros 400 macht deutlich, wie anspruchsvoll dieser Wandel ist. Bei einem Diesel-Lkw lässt sich ein Sonderaufbau meist um Motor, Getriebe, Tank und Abgasanlage herumplanen. Beim Elektro-Lkw beanspruchen dagegen Batteriepakete, Hochvolt-Komponenten und Kühlung große Teile des verfügbaren Bauraums. Für Spezialfahrzeuge wird deshalb immer wichtiger, wie flexibel sich diese Komponenten verschieben oder neu integrieren lassen. Das Kehrmaschinenfahrzeug auf Basis des eActros zeigt exemplarisch, wohin die Entwicklung geht: Elektrifizierung bedeutet bei Spezialfahrzeugen nicht einfach, den Dieselmotor durch einen E-Antrieb zu ersetzen. Häufig muss das gesamte Fahrgestell neu gedacht werden.

Schulungen für Hochvolt und neue Technik

Parallel baut Paul deshalb auch sein Schulungsangebot aus. Die Paul Academy richtet sich an Fahrer, Werkstattpersonal und technische Fachkräfte und soll unter anderem Wissen zu Fahrzeugtechnik, Bedienung, Wartung und Sicherheit vermitteln. Ein Schwerpunkt liegt auf Hochvolt- und Gastechnik. Neben Präsenztrainings bietet Paul auch digitale Schulungen und Zertifizierungen an.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Paul Truck / Paul Nutzfahrzeuge
  • Messe: IAA Transportation 2026
  • Stand: Freigelände, Stand K66 unter dem EXPO-Holzdach
  • Leitmotiv: Transforming Trucking
  • Exponate: vier Spezialfahrzeuge
  • Elektrisches Kehrfahrzeug: Mercedes-Benz eActros 400
  • Batteriekapazität: 400 kWh
  • DC-Ladeleistung: bis zu 400 kW
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 44 Tonnen
  • Besonderheit: Batterieturm hinter dem Fahrerhaus sowie integrierter elektrischer mPTO
  • Schwerlastzugmaschine: Mercedes-Benz Actros 8x6/4 SLT
  • Maximales Zuggesamtgewicht: 250 Tonnen
  • Wendekreis: 17,5 Meter
  • Spezialchassis: Arocs 14x6/10
  • Achsen: sieben
  • Maximales Gesamtgewicht: bis zu 76 Tonnen
  • Einsatzbereiche: Betonpumpen, Mobilkrane und Hubarbeitsbühnen
  • Kommunalfahrzeug: Arocs 2643 AK 6x4/4
  • Einsatz: Winterdienst, Abrollkipper, Kran und Arbeitsstellenabsicherung
  • Weitere IAA-Beteiligung: Integration des E-Antriebsstrangs beim Mercedes-Benz eArocs 400
  • Paul Academy: Schulungen unter anderem für Hochvolt- und Gastechnik