ICCT: E-Lkw-Boom in der EU: Verkehrswende auf der Langstrecke

ICCT: E-Lkw-Boom in der EU
Verkehrswende auf der Langstrecke

Die Transporter machten den Anfang, die schwere Nutzfahrzeugkategorie zieht jetzt nach: Nach Zahlen von ICCT wächst der Markt für emissionsfreie Nutzfahrzeuge in der EU. Zuwachs haben vor allem schwere E-Lkw und Elektrobusse. Deutschland sticht besonders hervor.

Verkehrswende auf der Langstrecke
Foto: ICCT, Julian Hoffmann; Montage: Monika Haug

E-Lkw-Boom in der EU

Nach Angaben des International Council on Clean Transportation Europe (ICCT) wächst der Markt für emissionsfreie Nutzfahrzeuge in der Europäischen Union im Jahr 2026 spürbar. Besonders Elektrobusse und schwere Lkw verzeichnen demnach deutliche Zuwächse, während sich das Wachstum bei mittelschweren Transportern etwas abkühlt. Getrieben von strengeren CO2-Vorgaben und nationalen Förderungen wandele sich die Logistikbranche tiefgreifend – mit überraschenden Comebacks und regionalen Unterschieden.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in der EU demnach rund 14.300 neue emissionsfreie Schwerlastfahrzeuge zugelassen. In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2026 stieg der Absatzanteil von emissionsfreien schweren Nutzfahrzeugen auf 4,8 Prozent, verglichen mit 3,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. Noch dynamischer entwickelte sich der Markt für Busse und Reisebusse, wo der Anteil mittlerweile bei 28,3 Prozent liegt.

Dynamik bei schweren Lkw und EU-Vorgaben

Im Segment der schweren Lkw mit einem Gewicht von über 12 Tonnen erreichte der Absatz laut dem Marktbericht "Race to Zero" im ersten Halbjahr 3.400 Einheiten (2,3 Prozent des Gesamtabsatzes), nach 1.900 Einheiten (1,4 Prozent) im Jahr 2025. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich laut ICCT ein starker Druck durch die im Juli 2025 eingeführten EU-CO2-Normen, die von Herstellern eine durchschnittliche Emissionssenkung um 15 Prozent im Vergleich zu 2019 verlangen.

Während in Ländern wie den Niederlanden, Dänemark und Österreich im zweiten Quartal Rückgänge verzeichnet wurden, kompensierte Deutschland diese Verluste durch ein anhaltendes Wachstum. Hier machten emissionsfreie Fahrzeuge fast 5 Prozent aller Lkw-Verkäufe aus – begünstigt unter anderem durch eine vollständige Mautbefreiung.

Den Wachstumszahlen zum Trotz: Bei den Neuzulassungen der schweren Lkw im 2. Quartal hat der Diesel bei den Antriebsarten mit 95,6 Prozent immer noch die Nase vorne.- An zweiter Stelle ist inzwischen der batterieelektrische Antrieb mit 2,3 Prozent, gefolgt von Bio-Gas mit 2,1 Prozent bei den Zulassungen.

Iveco holt auf und Mercedes bleibt vorn

Bei der Betrachtung der Fahrzeughersteller weist die ICCT-Marktbeobachtung besonders auf die Entwicklung beim italienischen Hersteller Iveco hin, der im Segment der schweren E-Lkw lange Zeit hinterherhinkte. Nach lediglich sechs verkauften Einheiten im Auftaktquartal 2026 kletterten die Verkäufe der S-eWay-Sattelzugmaschinen und Schwerlastkraftwagen im zweiten Quartal auf fast 100 Einheiten.

"Branchenkenner werten dies als strategischen Schritt, um drohenden Strafen im Rahmen der EU-Klimaziele zu entgehen", so der Bericht. An der Spitze des Marktes behauptet sich aber weiter Mercedes-Benz Trucks mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent bei emissionsfreien Schwerlastfahrzeugen, maßgeblich gestützt auf den Erfolg der eActros-Modellreihe. Um die Position zu sichern, so ICCT, kündigte das Unternehmen zudem die Einführung seiner neuenn Lowliner-Variante an.

Wachstum bei Transportern kühlt ab

Während die schweren Klassen zulegen, zeigt sich bei mittelschweren Lkw und Transportern zwischen 3,5 und 12 Tonnen eine leichte Beruhigung. Nach dreijähriger Verdopplung der Verkaufszahlen wuchs das Segment im ersten Halbjahr 2026 um moderate 15 Prozent auf knapp 4.600 Einheiten.

Dennoch zeigt der Gesamttrend unmissverständlich: Die Elektrifizierung des europäischen Transportbereichs ist im Alltag angekommen, so die Marktbeobachtung.