Fryte testet reservierbare Ladepunkte für E-Lkw

Fryte Mobility startet E-Lkw-Pilot
Warum feste Ladeslots wichtig werden

Pilotprojekt startet: Erstmals werden reservierbare Ladefenster für E-Lkw im realen Werksverkehr getestet. Das könnte die Disposition elektrischer Flotten verändern. Wie das Ganze funktionieren soll.

Fryte Mobility, Traton und MAN kooperieren bei Reservierung von Ladepunkten für ELkw
Foto: Fryte

Als das Münchner Start-up Fryte Mobility im September letzten Jahres seine Plattform zur Reservierung von Ladepunkten für E-Lkw vorgestellt hat, klang das für viele Logistiker noch nach Zukunftsmusik. Jetzt folgt der Praxistest: Gemeinsam mit MAN Charge&Go und Traton Charging Solutions werden erstmals reservierbare Ladefenster im realen Werksverkehr erprobt. An drei MAN-Standorten in München, Dachau und Nürnberg können ausgewählte Speditionen ihre Ladepunkte bereits vor der Ankunft verbindlich buchen. Die ersten Reservierungen und Ladevorgänge wurden nach Angaben der Projektpartner bereits erfolgreich ausgeführt.

Das eigentliche Problem der E-Lkw

Die Reichweiten moderner Elektro-Lkw steigen kontinuierlich. Gleichzeitig wächst das öffentliche Ladenetz. Trotzdem bleibt für viele Transportunternehmen eine zentrale Herausforderung bestehen: Niemand weiß mit Sicherheit, ob ein Ladepunkt bei Ankunft tatsächlich frei ist. Genau hier setzt Fryte an. Über die Plattform können Disponenten Ladefenster direkt in ihre Tourenplanung integrieren. Statt spontan nach einer freien Säule suchen zu müssen, erhalten Fahrer einen fest reservierten Ladeslot. Gerade im eng getakteten Werks- und Zulieferverkehr kann das zum entscheidenden Faktor werden.

Vier Speditionen testen den Alltagseinsatz

Am Pilotprojekt beteiligen sich die Speditionen Kloiber, Johann Dettendorfer, Jan de Rijk Logistics und Schachinger Logistik. Sie können Ladepunkte in den Anlieferzonen der MAN-Werke vorab reservieren und die Ladevorgänge direkt in ihre Disposition einplanen.Damit wird erstmals getestet, ob sich die Reservierungslogik auch unter realen Bedingungen in bestehende Transportprozesse integrieren lässt.

Von der Transportplanung bis zur Abrechnung

Technisch basiert das Projekt auf einer Integration der Ladeinfrastruktur von Traton Charging Solutions in die Fryte-Plattform. Über eine sogenannte OCPI-Schnittstelle werden verfügbare Ladepunkte, Zeitfenster und Buchungsregeln digital abgebildet. Die Authentifizierung und Abrechnung erfolgt über MAN Charge&Go. Fahrer nutzen dabei eine Ladekarte, mit der reservierte Ladevorgänge vor Ort freigeschaltet werden können. Das Ziel: Transportplanung, Reservierung, Zugang und Abrechnung sollen in einem durchgängigen digitalen Prozess zusammenlaufen.

Warum das für die Branche wichtig ist

Mit der Elektrifizierung verändert sich die Arbeitsweise vieler Disponenten grundlegend. Während Diesel-Lkw nahezu überall innerhalb weniger Minuten tanken können, müssen Ladezeiten und Ladepunkte künftig deutlich präziser eingeplant werden. Für viele Logistikunternehmen könnte deshalb nicht die Ladeleistung selbst zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden, sondern die Verfügbarkeit. Eine reservierbare Ladeinfrastruktur würde genau dieses Problem adressieren.

Vom Start-up zur realen Anwendung

Für Fryte markiert das Pilotprojekt einen wichtigen Meilenstein. Das Unternehmen hatte seine Plattform im Herbst 2025 erstmals vorgestellt und dabei die Vision einer vollautomatisierten Reservierung von Ladeinfrastruktur für E-Lkw präsentiert. Nun wird die Lösung erstmals unter Praxisbedingungen getestet. Sollte sich das Modell bewähren, könnte es künftig auch an weiteren Werksstandorten, Logistikhubs und öffentlichen Ladeparks eingesetzt werden. Denn je stärker die Zahl elektrischer Nutzfahrzeuge wächst, desto wichtiger wird die Frage, wer wann wo laden kann.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Fryte Mobility
  • Pilotpartner: MAN Charge&Go und Traton Charging Solutions
  • Speditionen: Kloiber, Johann Dettendorfer, Jan de Rijk Logistics und Schachinger Logistik
  • Standorte: München, Dachau und Nürnberg
  • Anwendungsbereich: Werks- und Zulieferverkehr
  • Innovation: Reservierbare Ladepunkte für E-Lkw
  • Ziel: Planbare Ladefenster für Disponenten und Fahrer
  • Teilnehmer: Kloiber, Johann Dettendorfer, Jan de Rijk Logistics, Schachinger Logistik
  • Technologie: OCPI-Schnittstelle
  • Authentifizierung: MAN Charge&Go
  • Besonderheit: Integration von Transportplanung, Reservierung und Abrechnung
  • Status: Pilotprojekt läuft, erste Reservierungen erfolgreich durchgeführt
  • Relevanz: Verbesserung der Planungssicherheit für E-Lkw-Flotten