EnBW rüstet Schnellladeparks auf 480 kW auf

Neue HPC-Technik für die Langstrecke
EnBW rüstet Schnellladeparks auf 480 kW auf

EnBW beginnt mit dem Rollout neuer Schnellladesäulen mit bis zu 480 kW. Die Technik richtet sich vor allem an E-Autos, ist aber auch für batterieelektrische Lkw interessant.

Elektro-Lkw von TST Logistics lädt nachts an einer 300-kW-Schnellladesäule von EnBW.
Foto: Carsten Nallinger

EnBW dreht die Leistung seiner Schnelllader weiter nach oben: Neue HPC-Säulen von XCharge liefern bis zu 480 kW und sollen zunächst vorrangig an Ladeparks entlang der Fernstraßen stehen. Gedacht ist die Technik primär für Pkw. Doch der Schritt ist auch für Elektro-Lkw interessant – mit einer entscheidenden Einschränkung.

EnBW setzt auf die XCharge C7

Bislang sind 300 oder 400 kW an öffentlichen Schnellladeparks eine verbreitete Größenordnung. EnBW setzt nun noch einen drauf und beginnt mit dem Rollout von 480-kW-Schnellladesäulen des Herstellers XCharge. Die erste C7 hat der Energieversorger an seinem Referenzstandort am Karlsruher Konzernsitz offiziell in Betrieb genommen. Bis Ende 2026 soll eine zweistellige Zahl von EnBW-Schnellladeparks in Deutschland mit der neuen Technik ausgestattet werden. Besonders interessant sind dafür Standorte entlang der Fernstraßen. Dort sollen Fahrer während kurzer Stopps möglichst viel Energie nachladen können.

Bis zu 480 kW über CCS

Die neue XCharge C7 liefert eine maximale Ladeleistung von 480 kW. Laut EnBW lassen sich damit, abhängig vom jeweiligen Fahrzeug, innerhalb von 20 Minuten bis zu 640 Kilometer Pkw-Reichweite nachladen. Der Wert ist deshalb nicht auf Elektro-Lkw übertragbar. Entscheidend ist vielmehr, dass die Säulen ihre Leistung über einen Anschluss bereitstellen, den auch zahlreiche schwere Elektro-Lkw nutzen: CCS (Combined Charging System Typ 2). Anders sieht es mit neuen E-Lkw aus, die fürs Megawattladen ausgerüstet sind. Das im schweren Nutzfahrzeugbereich kommende Megawatt Charging System (MCS) wiederum besitzt eine völlig neue, eigenständige dreieckige Geometrie mit sieben Kontakten. Doch noch sind die öffentlichen HPC-Stationen grundsätzlich auch für batterieelektrische Nutzfahrzeuge interessant. Die tatsächlich erreichbare Leistung hängt allerdings vom jeweiligen Lkw, seinem Batteriezustand und der Ladesäule ab.

Ein E-Lkw passt nicht automatisch an den Ladeplatz

Ist mit CCS-Anschluss also alles paletti? Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen technischer Kompatibilität und Lkw-tauglicher Infrastruktur. Eine Sattelzugmaschine kann an einem entsprechend zugänglichen Pkw-HPC grundsätzlich laden. Doch dafür muss sie die Säule überhaupt erreichen können. Zufahrten, Kurvenradien, Stellplatzlänge, Position des Ladeanschlusses und die Länge des Ladekabels spielen bei einem Lkw eine wesentlich größere Rolle als beim Pkw. Hinzu kommt der Platzbedarf. Ein schwerer Lkw kann an einem für Autos ausgelegten Ladepark unter Umständen mehrere Stellplätze blockieren oder nur dann an die Säule gelangen, wenn benachbarte Ladeplätze frei sind. 480 kW machen einen Pkw-Ladepark deshalb allerdings nicht automatisch zum Lkw-Ladepark. Gerade außerhalb der Hauptverkehrszeiten können solche Standorte für einzelne Elektro-Lkw trotzdem eine zusätzliche Lademöglichkeit darstellen.

Powersharing soll von 480 kW profitieren

Die höhere Leistung soll sich bei der XCharge C7 außerdem bemerkbar machen, wenn zwei Fahrzeuge gleichzeitig an einer Station laden. Beim sogenannten Powersharing wird die verfügbare Leistung zwischen beiden Ladepunkten verteilt. Durch die höhere Gesamtleistung können laut EnBW, abhängig von der Aufnahmefähigkeit der angeschlossenen Fahrzeuge, auch bei parallelem Laden kürzere Ladezeiten möglich werden. EnBW und XCharge arbeiten bereits seit Anfang 2026 zusammen. Vorausgegangen war ein Feldtest. Nach Unternehmensangaben wurden dabei mehrere zehntausend Ladevorgänge absolviert.

EnBW betreibt mehr als 9.000 Schnellladepunkte

Inzwischen betreibt EnBW nach eigenen Angaben mehr als 9.000 Schnellladepunkte in Deutschland. Das Unternehmen unterscheidet beim Ausbau zwischen Standorten für Langstrecken, urbanen Ladepunkten und Angeboten im Einzelhandel. Die neuen 480-kW-Säulen sollen vorwiegend dort eingesetzt werden, wo Fahrzeuge nur kurz stehen und möglichst viel Energie aufnehmen sollen. Damit rücken insbesondere die Ladeparks entlang der Fernstraßen in den Fokus. Für schwere Elektro-Lkw löst das allein das Infrastrukturproblem nicht. Das dafür entwickelte Megawatt Charging System (MCS) zielt auf nochmals deutlich höhere Ladeleistungen und speziell auf schwere Nutzfahrzeuge zugeschnittene Standorte.

In Kürze: die Key Facts

  • Betreiber: EnBW
  • Neue Schnellladesäule: XCharge C7
  • Maximale Ladeleistung: 480 kW
  • Einsatzgebiet: EnBW-Schnellladenetz in Deutschland
  • Schwerpunkt: Ladeparks entlang deutscher Fernstraßen
  • Rollout: bis Ende 2026 an einer zweistelligen Zahl von Schnellladeparks geplant
  • EnBW-Schnellladenetz: mehr als 9.000 Schnellladepunkte in Deutschland
  • Relevanz für E-Lkw: CCS-basierte Elektro-Lkw können technisch ebenfalls öffentliche HPC-Lader nutzen
  • Wichtige Einschränkung: Pkw-Ladeparks sind aufgrund von Zufahrt, Stellplatzgröße und Anordnung der Säulen nicht automatisch für Lkw geeignet
  • Lkw-Fernverkehr: benötigt langfristig zusätzlich speziell dimensionierte Ladeplätze und leistungsfähige Ladeinfrastruktur
  • MCS: Megawatt Charging System ist speziell auf besonders hohe Ladeleistungen für schwere Nutzfahrzeuge ausgelegt