Tanz der Bau-Titanen

Volvo Construction Equipment
Tanz der Bau-Titanen

Im schwedischen Eskilstuna hat Volvo Construction Equipment, die Baumaschinendivision der Schweden, mit einer eindrucksvollen Leistungsschau die Stärken moderner Baumaschinen demonstriert. Natürlich durften dabei die schweren Volvo-Lkw fürs Gelände nicht fehlen.

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Foto: Oliver Willms

Zuerst ist nur das dumpfe Wummern schwerer Motoren zu hören, dann bricht auf der großen Offroad-Bühne von allen Seiten das Inferno in Gelb herein. Aus dem Off hinter den haushohen Kieshügeln pfeilen drei 50 Tonnen schwere Dumper auf die Mitte des Areals zu, um sich dort wie in einem tonnenschweren Reißverschluss aus Heavy Metal mit den heraneilenden Knicklenker-Kollegen von rechts zu kreuzen. Aus dem hinteren Bereich der überdimensionalen Show-Bühne erobert ein Rudel Mega-Radlader mit ihren heulenden Hydrostat-Antrieben den Platz, um im perfekt abgestimmten Zusammenspiel ihre vollen Schaufeln zu einem Kies-Thron für den König der Löffelbagger zusammenzuschütten.

Dort steigt der 56 Tonnen schwere Hybrid auf den aufgeschütteten Hügel, um seine Bagger-Untertanen zu grüßen. Ein Halbrund aus zehn Löffelbaggern senkt ehrfurchtsvoll ihre Hydraulikarme vor dem neuen Topmodell. Kaum hat der neue Gruben-King seine Ovationen entgegengenommen, quellen aus allen Seiten Bau-Trucks vom Elektro-6x4 bis zum 780 PS FH-Titanen aufs Kiesparkett, um im sekundengetakteten Zusammenspiel mit Radladern den provisorischen Bagger-Thron wieder zu entsorgen. Noch während der letzte Kiesel in die Mulde rollt, jagt ein Dumper mit 23.000-Liter-Spitzwasseraufbau von rechts heran, um den Platz einzuwässern. Das Nass hat nur wenig Zeit zum Einsickern, denn von der anderen Seite schrubbt ein Radlader mit aufgepflanzter XXL-Reinigungsbürste den Boden nass raus.

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Ein 24 Meter langer, vollbeladener FH-Holzzug mit 780 PS wirkt fast zierlich im Kreise der gelben Titanen. Mit einem Biss aus der überdimensionierten Greifzange packt ein Radlader die halbe Holzladung des Trailers auf einen Sitz und jagt mit der Beute zwischen den stählernen Zähnen davon.

Das Fachpublikum auf den Rängen johlt begeistert zu der Live-Breitwand-Show der Bau-Boliden. Man meint förmlich am Filmset von Jurassic Park, Teil 17, "Kampf der Baumaschinen", zu sitzen. Eine so perfekte Choreographie der Gelben Bau-Brigade gab es noch nie zu sehen. Eineinhalb Wochen haben über hundert Volvo-Baumaschinenexperten den perfekten Ablauf der halbstündigen Mammut-Show geübt – jetzt passt jedes Manöver der 60-Tonnen-Dumper, jeder Löffelhub der überschweren Bagger und jedes Schaufelnicken der gewaltigen Radlader.

Doch das Beste kommt erst noch! Auf 13 nach Arbeitsgebieten geordneten Stationen können die Volvo-Gäste neben umfangreicher Info auch eigene Eindrücke am Steuerknüppel, Lenkrad oder Joystick der kompletten Baumaschinenfamilie mitnehmen. Über hundert Baumaschinen und 600 Fachkundige Volvo-Männer- und -Frauen stehen bereit, um die fachkundigen Gäste von der Volvo-Produktwelt zu begeistern.

Gemischte Gefühle im 300-PS-Dumper

Big Toys für Big Boys – gemäß der seit über hundert Jahre gültigen Formel locken die knickgelenkten Dumper zum Rendezvous hinter dem Steuer. Allein der Aufstieg hinter dem übermannshohen Kotflügel trennt die Spreu vom Weizen. Oben in der überraschend geräumigen Kabine angekommen, geht die wilde Fahrt über Stock und Stein mit sanftem Pedaldruck los. Im A 45 arbeitet der D16-Sechszylinder mit einem Powershift-Neunganggetriebe zusammen und schickt seine – nur – 300 PS Leistung dank Wandlerkupplung sanft und ruckfrei über das Knickgelenk an die Hinterachse. Der Dumper-Pilot muss in luftiger Sitzposition eigentlich nur Gas geben und lenken, wobei sich letzteres durch die Knicklenkung und den mächtigen Haubenvorbau reichlich ungewohnt anfühlt.

Bei zartem Dreh am Volant dreht sich die komplette vordere Hälfte des Dumpers mit, eine Peilnase auf der Haubenmitte hilft, den Kurs des leer satte 39 Tonnen schweren Kippers zu halten. Bei Aufstiegen auf Erdhügel verliert man am Scheitelpunkt komplett den (Über-)Blick nach vorne, dafür bietet der Bildschirm der Frontkamera rechts neben dem Fahrer wertvolle Ausblicke auf die vorausliegende Strecke.

Seine Antriebsleistung verteilt der Dumper übrigens je nach Traktion auf seine drei Achsen. Bis zu 40 Tonnen schultert der A 45 und schlürft pro arbeitsamer Betriebsstunde rund 20 Liter Diesel. Dabei ist der A 45 nur die Dumper-Mittelklasse. Der große Bruder A 60 kann als weltgrößter Dumper 55 Tonnen schultern und wird von 673 PS durchs Gelände getrieben. Dafür muss der Kipper-Gigant nur alle 1.000 Betriebsstunden zum – teuren – Service. Bis zu 90.000 Betriebsstunden Lebenszeit sind für die bis zu jeder Schraube überdimensioniert massiv gebauten Bau-Dreiachser keine Seltenheit. Neben den dieselgetriebenen Schwerlastathleten gibt es die Dumper mittelweile auch mit Elektroantrieb.

Man kommt sich im Cockpit vor wie auf dem Rücken eines Brontosauriers, der keine natürlichen Feinde auf der Baustelle hat. Für seinen Job braucht der gelbe Riese freilich die kongeniale Mitarbeit vom Kollegen im Radlader. Für den weltgrößten Dumper darfs dann gleich auch das Topmodell aus dem Laderprogramm sein – der L350H, quasi der Tyrannus Rex unter den Radladern. Wir wechseln das Cockpit, um das Leben des Radladerfahrers zu erkunden. Ein Klettersteig führt vom hinteren Kotflügel hinauf bis zur Kabine, die mit digitalen Anzeigen, Infodisplay und einem Meer von Bedienknöpfen den Neueinsteiger beeindrucken kann. Dabei sieht es einfacher aus, als es ist. Einen der vier Gänge vorwählen und mit Schmackes rein in den Hügel mit Felsbrocken im Format eines Schäferhundes. Wer die hohe Kunst des Beladespiels mit Einfahren und gleichzeitigem Anziehen der Schaufel zur Ladungsaufnahme noch nicht in Fleisch und Blut hat, rumpelt am Felshaufen mehr herum als elegant bis zu 13 Tonnen auf einmal in die 13-Kubik-Schaufel vom Format eines Kleinwagens zu befördern.

Ein Radlader groß wie ein Haus

Im zweiten Anlauf zeigt sich der Einfamilienhaus-große Radlader gnädig. 540 PS schieben den Koloss mit Schub in die Geröllhalde, untermalt vom Donnern der mit Titanenkraft bezwungenen Felsbrocken. Die Hydraulik hebt die Schaufel mit voller Ladung auf die Muldenhöhe des Dumpers. Der hohe Schwerpunkt fühlt sich kippelig an, aber der 50 Tonnen schwere Radlader steht sicher wie ein Bau-Bollwerk auf seinen 875/65er Reifen im 33-Zoll-Format. Für Einstiegspreise ab 700.000 Euro kann man das faszinierende Ladespiel mit nach Hause nehmen. Dagegen ist der Dumper mit einer guten halben Million Euro fast ein Schnäppchen.

Geradezu wohlfeil gegenüber der gelben Fraktion sind dagegen die Bau-Lkw, die Volvo für den Straßentransport auf die Räder stellt. Da wäre neben dem bekannten FMX zum Beispiel ein stämmiger Allrad-FL mit Doppelkabine, der sechsköpfige Baumannschaften fernab befestigter Straßen zum Einsatzort bringen kann. Der flinke 16,5-Tonner wird von einem 320 PS starken Motor befeuert, der seine Kraft über ein ZF-Achtgang-Automatgetriebe an die beiden angetriebene Achsen verteilt. Eine kurze Pritsche mit kompaktem Ladekran komplettiert das Rüstzeug für grobes Geläuf.

Die Vollfettstufe fürs Gelände repräsentiert der für den Mineneinsatz ausgerüstete FMX Vierachs-Kipper. Der 520 PS starke Offroader trägt auf seiner bis zu 24 Kubik fassenden Mulde bis zu 46 Tonnen Ladung und konkurriert damit in vielen Anwendungen durchaus mit den fast dreimal so kostspieligen Dumpern. In nur 17 Sekunden kann der 8x4 mit 80 Tonnen technischem Gesamtzuggewicht seine Ladung abkippen und in leichtem oder mittelschwerem Einsatz schnellere Umläufe als ein Dumper leisten. In der Bedienung unterscheidet sich der FMX Minenkipper mit kurzer Kabine fast nicht von seinen zivileren FMX-Brüdern – ein Vorteil bei wechselndem Fahrpersonal.

Für softere Einsätze auf unbefestigtem Terrain schickt Volvo Trucks einen FH16 in Aero-Version als 6x4-Abroller mit Hakenlift und 600 PS ins Entsorgerrennen. Wer es etwas grober wünscht, bekommt einen FMX als 8x4 mit Abroller und bis zu 65 Tonnen Gesamtzuggewicht. Als King of the Road rangiert darüber freilich der FH16, der als 780 PS starke 6x4 Kippsattelzugmaschine auch mit überschweren Lasten keine Not kennt. Bei den Nordmännern darf man mit einer so potenten Zugmaschine extra-schwere (74 Tonnen GZG) und extra-lange (34,5 Meter) Züge genehmigungsfrei bewegen. Von diesem Truck wie auch von der gesamten Veranstaltung ist Manuel Butze schwer begeistert. Der Fuhrparkmanager von der Berlin Recycling GmbH hat eine solche "durchgestylte Baumaschinen-Show" noch nicht erlebt. "Im Zusammenspiel mit der tollen Musik und dem hohen Tempo der Dumper, Radlader und Lkw kommt sofort Gänsehaut-Feeling auf", ergänzt der 43-Jährige.

Wow-Effekt schon beim Empfang

Er ist für zehn Volvo E-Lkw vom Typ FM Low Entry, FM und FE sowie sechs Abrollkipper, drei Hecklader und ein Kofferfahrzeug verantwortlich. Außerdem betreut er die Baumaschinen im Fuhrpark. Daher gilt seine Aufmerksamkeit besonders den E-Radladern für den Glasumschlag und den batterieelektrischen Baggern. Für ein Wow-Effekt sorgte bei ihm bereits der Empfang am Volvo Customer Center: "Das große Spalier aus klatschenden Volvo-Mitarbeitern für uns Kunden am Eingang kennt man nicht und hat mich tief ergriffen", verrät der gebürtige Berliner.

Ähnlich ergeht es Matthias Richter, der wie sein Kollege auch von Uwe Hellmich, Key Account Manager Deutschland, weit im Vorfeld der Volvo Days 2026 eingeladen wurde. Der technische Leiter bei MF Mineralöl- Logistik – einer Tochter der EB Trans-Gruppe und auf den Transport von Gefahrgut, Mineralöl, Gasen und Chemikalien spezialisiert – hat seit zwei Jahren auch Volvo-Lkw im Bestand. Inzwischen ist deren Anzahl auf knapp 20 Fahrzeuge angewachsen, vier weitere sind bereits bestellt und im Zulauf. Einer davon verfügt über einen LNG-Gasantrieb. Batterieelektrische Lkw sind im Gefahrgutbereich (noch) nicht erlaubt.

Die Volvo FM Globetrotter-Zugmaschinen mit Tankauflieger transportieren deutschlandweit Benzin und Diesel für namhafte Mineralölunternehmen in die Tanklager und an die Tankstellen. Jährlich legen sie zirka 180.000 Kilometer zurück. Das Herz des CTO (Chief Technology Officer) schlägt für Elektro-Lkw wie den FM und FMX Electric. Der 42-Jährige würde es begrüßen, wenn die ADR-Regelung angepasst und geändert werden würde, damit Elektrolaster auch in seinem Unternehmen eine Rolle spielen können. Schließlich lassen sie sich einfach bedienen, erzeugen wenig Lärm und sind im urbanen Bereich emissionsfrei unterwegs.

Gerne hat Richter in Eskilstuna über den Tellerrand geschaut und auch die großen Dumper A 60 und Radlader bewegt. "Für mich ist es wichtig, das gesamte Portfolio von Volvo CE und Volvo Trucks kennenzulernen. Dabei hat mich besonders die butterweiche Lenkung der Baumaschinen überrascht. Damit lassen sich selbst die großen Dinger präzise steuern. Das geht fast so einfach wie im Lkw", sagt der Technikchef. Das Bagger-Ballett mit den Fahrkünsten der Maschinenführer hinterm Lenkrad von Dumper, Muldenkipper und Radlader hat ihn schwer beeindruckt. "So ein akkurates Zusammenspiel derart vieler verschiedener Baumaschinen und Lkw in einem derart hohen Tempo habe ich noch nicht gesehen", lobt der Fachmann aus Werneuchen bei Berlin.

Beide Volvo-Kunden aus dem Großraum Berlin nutzten die Gelegenheit, sich auch über die Bagger von Volvo zu informieren. Uneingeschränkte Herrscher und King in der Baugrube ist dabei der 2027 in Serienproduktion gehende Löffelbagger EC560 Hybrid, der schon in der Eröffnungs-Show seine Huldigungen empfangen hat. Schlanke 56 bis 58 Tonnen bringt das Topmodell der Volvo-Löffelbagger auf die Gleisketten.

Der Löffelbagger verlangt nach Profis

Spätestens hier am Steuerstand in der klimatisierten Kabine kommt der ambitionierte Laie an die Grenzen der Bedienkunst. Wer das perfekte Zusammenspiel zwischen Armheben und Anziehen der bis zu 4,6 Kubikmeter großen Schaufel nicht lange genug trainiert hat, kratzt nur ein wenig am Gestein. Das schnelle Heben/Senken, Löffeln, Turmdrehen und vielleicht noch mit dem Gleislaufwerk fahren verlangt echte Könner. Diese können mit dem dieselelektrischen Hybrid-Antrieb dann aber auch ganz sprichwörtlich Berge versetzen.

Insgesamt über 4.000 Gäste kamen bei den fünfwöchigen Volvo Days in den Genuss modernste Baufahrzeuge, Services und Equipment selbst und live am Objekt zu erleben. Das Motto der Volvo Days ist "zeigen, nicht erzählen!" erklärt Volvo CE (Construction Equipment) Chef Melker Jernberg die Philosophie der Mega-Veranstaltung rund um Baufahrzeuge. Wie sehr das gelungen ist, konnte man an der Begeisterung der professionellen Gäste förmlich ablesen: Die Volvo Days waren eine Big Show mit Big Toys für Big Boys – und Big Girls.