Autobahnkanzlei: Motorradtour

Autobahnkanzlei: Fahrer vor Gericht
Motorradtour mit Folgen

Mit dem hochmotorisierten Bike eine Zivilstreife im Auto abhängen? Kann funktionieren, hat aber Konsequenzen. Jetzt ist die Autobahnkanzlei gefragt …

Polizei, Kelle
Foto: ETM Archiv/Volker Hammermeister

Frank* und Willy* sind beide passionierte Lkw-Fahrer. Sie fahren die Woche über in Doppelbesatzung und achten höllisch auf die Verkehrsregeln. Am Wochenende jedoch lassen sie es krachen und frönen beide ihrem Hobby. Sie sind Motorradrennfahrer und regelmäßig auf Tour.

Dieses Wochenende allerdings haben sie kein Rennen und deswegen beschlossen, ganz gemütlich eine Runde durch die Pfalz zu fahren. Die Motorräder gleiten auf einer kerzengeraden Landstraße durch die Dämmerung.

Plötzlich kommt von hinten ein Zivilfahrzeug angejagt, und auch Frank und Willy beschleunigen ein wenig. Nach ein paar Kilometern überholt sie das Zivilfahrzeug. Frank und Willy erkennen oben auf dem Dach des Wagens die Laterne einer Zivilstreife.

Sie werden aufgefordert, anzuhalten, und bleiben mit ihren Motorrädern stehen. Die Zivilstreife hält hinter ihnen. Nachdem die Beamten aus dem Wagen ausgestiegen sind, beschleunigt Frank überraschend – und Willy folgt ihm. Auch die Zivilstreife setzt sich nach einem kurzen Schreckmoment wieder in Gang. Es beginnt eine unerfreuliche Verfolgungsjagd. Ob das eine gute Aktion von den Beiden war, sei dahingestellt.

Geschwindigkeitsmessung im Hubschrauber

Die Beamten verfolgen Frank und Willy bis in den nächsten Ort. Dann verlieren sie an einer Kreuzung den Anschluss. Frank und Willy geben Gas und machen, dass sie wegkommen. Am Himmel sehen sie kurze Zeit später einen Hubschrauber, der relativ tief fliegt. Was sie nicht wissen, ist, dass der sie im Visier hat und ihre Geschwindigkeit misst.

Als die zwei Motorradfahrer nach Hause kommen, vergehen nur ein paar Minuten, bis die Polizei klingelt. Sie übergibt beiden einen Anhörungsbogen wegen gehöriger Geschwindigkeitsüberschreitungen. Auf der Landstraße, auf der nur 80 km/h erlaubt waren, sollen sie mit 120 km/h gefahren sein, und innerhalb des Ortes gewaltig über 50 km/h. Die Beamten gehen einfach davon aus, dass die Halter der dicken Motorräder auch die Fahrer waren. Das ist hypothetisch und dürfte einer richterlichen Überprüfung nicht standhalten.

Mit den Anhörungsbögen kommen Frank und Willy noch am Wochenende in die Autobahnkanzleizentrale in Kromsdorf. Ich versuche, die beiden zu beruhigen, mache ihnen aber auch klar, dass das keine Glanzleistung war.

Jetzt ist Warten angesagt. Auf die Anhörungsbögen am Abend des Tattages reagiere ich gar nicht. Ein paar Wochen später kommt noch einmal jeweils ein Anhörungsbogen. Langsam wird mir klar, wo der Hase langläuft: Die ersten Anhörungsbögen, die die Beamten im Übereifer rausgehauen haben, sind möglicherweise gar nicht offiziell registriert. Das ergibt Chancen für die Verteidigung. Immerhin, wenn die Beamten nicht von hinten angesaust gekommen wären, wäre es zu gar keinen vorwerfbaren Handlungen gekommen.

Die zweiten Anhörungsbögen folgen einige Zeit später. Fünf Monate nach dem Tattag folgen die Bußgeldbescheide. Gegen die zwei Dinger lege ich selbstverständlich Einspruch ein. Ist auch notwendig, denn neben satten Bußgeldern soll es für beide Fahrer auch ein Fahrverbot geben.

Ihre Vorteile mit Digitalabo
  • Zugang zu allen Webseiteninhalten
  • Kostenloser PDF-Download der Ausgaben
  • Preisvorteil für Schulungen und im Shop

Sie haben bereits ein Digitalabo? Hier einloggen.

DEKRA Mitglieder0,00 Euro*

* Sie sind DEKRA-Mitglied? Dann loggen Sie sich ein und ergänzen ggf. in Ihrem Profil Ihre DEKRA-Mitglieds-Nummer.

Mitgliedsnummer ergänzen
Digitalabo
ab
1,88 Euro*pro Monat

* Jahrespreis 22,65 Euro, Preis für FERNFAHRER Flexabo Digital in Deutschland,flexible Laufzeit, jederzeit kündbar.

Weiter zum Kauf