DVR-Umfrage: Warum Fahrer Assistenten deaktivieren

Umfrage des Verkehrssicherheitsrats
Warum Lkw-Fahrer Assistenten deaktivieren

Eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) offenbart: Viele Lkw-Fahrer schalten Assistenzsysteme gelegentlich bis häufig ab. Die Zahlen – und die Hintergründe.

Warum Lkw-Fahrer Assistenten deaktivieren
Foto: Daimler Truck

Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrer in Deutschland schalten die Assistenzsysteme ihrer Fahrzeuge immer wieder aktiv aus – das ergab eine Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Oktober und November 2025. Befragt wurden demnach 507 Fahrerinnen und Fahrer, von denen 59 Prozent angaben, ihre Assistenten nicht durchgehend zu nutzen. 19 Prozent deaktivieren bestimmte Systeme laut eigener Angaben häufig, 40 Prozent schalten Assistenten zumindest gelegentlich aus.

Besonders unbeliebt: der Spurhalteassistent

Die Hitliste der Abschalt-Assistenten führt der Spurhalteassistent an, rund 56 Prozent nutzen ihn regelmäßig nicht. Der Intelligente Geschwindigkeitsassistent folgt mit 16 Prozent, auf Platz drei (ca. 15 Prozent) landet der Abstandsregeltempomat. Auch der Abbiegeassistent (ca. 8 Prozent) und der Notbremsassistent (ca. 5 Prozent) werden mitunter abgeschaltet.

DVR-Präsident Wirsch: Schuld haben nicht nur die Fahrer

Manfred Wirsch, Präsident des DVR, sieht in diesen Zahlen naturgemäß ein großes Problem. Wer Assistenzsysteme abschalte, nehme ein höheres Risiko in Kauf und gefährde Menschenleben innerhalb und außerhalb des Fahrerhauses. Die Schuld sieht er aber nicht nur bei den Fahrerinnen und Fahrer. "Der Einbau bestimmter Assistenzsysteme ist gesetzlich vorgeschrieben – und das mit gutem Grund. Es reicht jedoch nicht, die Technik nur zu verbauen. Wir müssen ihre Akzeptanz und konsequente Nutzung sicherstellen", erklärt Wirsch. Nur fundiertes Wissen schaffe Vertrauen. "Umso wichtiger ist es, dass der Umgang mit Fahrerassistenzsystemen ein verpflichtender Bestandteil der Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung ist."

Das Problem: mangelndes Wissen zur Funktionsweise

Und tatsächlich: Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass es hier ein erhebliches Defizit gibt. Knapp 32 Prozent gaben an, keine Einweisung in die Nutzung der Systeme erhalten zu haben. 45 Prozent wurden laut eigener Angaben nur informell durch Kollegen eingewiesen. Eine offizielle Schulung erhielten nur rund 24 Prozent. 36 Prozent fühlen sich entsprechend unzureichend über die Systeme informiert. Mehr noch: Etwa 12 Prozent wissen nicht einmal genau, welche Systeme in ihrem Fahrzeug verbaut sind. Und knapp 22 Prozent empfinden die Technik der Systeme als unverständlich. Mehr als jeder Zweite fühlt sich außerdem durch Warnungen, Systemfehler oder Eingriffe des Systems gestört oder abgelenkt.

Auch Betriebe und Lkw-Hersteller sind gefragt

"Nur wer versteht, wie ein System reagiert, kann dessen Schutzwirkung voll ausschöpfen. Es reicht nicht, den Fahrerinnen und Fahrern nur die Technik bereitzustellen. Betriebe müssen aktiv über Funktionsweisen und Sicherheitsnutzen aufklären", sagt Wirsch. Auch Fahrzeughersteller könnten ihren Beitrag leisten. Entscheidend seien klare und verständliche Warn- und Bedienkonzepte. "Auch eine geringe Fehlalarmquote sowie einheitliche Symbole und Bezeichnungen können die Akzeptanz deutlich erhöhen."