Es ist eine Radiosendung, die es an allen 365 Tagen im Jahr gibt: „SWR 1 – Die Nacht“. Sie dauert von Mitternacht bis morgens um fünf, sonntags bis sechs Uhr. Die Hörerschaft ist bunt gemischt. Darunter sind viele Nachtschwärmer, aber auch Nachtschichtler wie Lkw-Fahrer. „Wir werden im Fahrerhaus gehört. Das merken wir an den vielen Verkehrshinweisen und Nachrichten, die wir von Lkw-Fahrern erhalten“, erklärt Cora Klausnitzer, Moderatorin von SWR 1 Baden-Württemberg. Wenn sie „SWR 1-Die Nacht“ moderiert, trifft sie gegen 23 Uhr am SWR-Funkhaus im Stuttgarter Stadtteil Berg ein. Heute ist es etwas später geworden, 23.15 Uhr. Doch das macht nichts. Die Sendung hat Cora bereits zu Hause vorbereitet. Die Pandemie hat auch beim Rundfunk vieles in Richtung Homeoffice ermöglicht.
So entsteht eine Radio-Nachtsendung
Zu den Vorbereitungen zählt beispielsweise der gesamte Ablauf der Sendung. Welcher Beitrag läuft wann, welche Themen sind wichtig? Die meisten Titel legt die Musikredaktion im voraus fest. Eine Besonderheit nachts: Die Moderatoren können auch extralange Titel spielen, ebenso Livesongs oder ausgefallene Wünsche der Hörer erfüllen. Eine weitere Besonderheit der Nacht-Sendung ist das stärkere Zusammengehörigkeitsgefühl. „Hörer und Moderator bewältigen sozusagen eine Nachtschicht gemeinsam. Das schweißt zusammen“, betont Cora.
Nachrichten werden zentral eingesprochen
Es ist 0 Uhr. Die Nachrichten. Sie werden am SWR-Standort in Baden-Baden gesprochen. Jede Stunde beginnen sie auf die Sekunde genau. Dann das Wetter und der Verkehrsservice. „Das können wir heute kurz machen“, spricht Cora ins Mikrofon. „Heute ist nichts los. Sollte es doch noch Staus geben, jederzeit bei uns.“ Später in dieser Nacht ploppen einige „gelbe“ Meldungen auf dem Verkehrsbildschirm auf. Der gelbe Hintergrund bedeutet, die Moderatorin kann das aktuelle Musikstück noch ausspielen. Dann drückt Cora die ARI-Taste. ARI steht für „Autofahrer-Rundfunk-Information“ und löst das bekannte Piepsen aus, sofern man im Lkw oder Auto Radio hört.
Was Moderatoren während der Musik machen
„Vorsicht auf der A 8 Stuttgart Richtung Karlsruhe. Zwischen Stuttgart-Möhringen und Kreuz Stuttgart liegen Fahrzeugteile auf der Fahrbahn“, teilt Cora den Hörern mit. Umgehend handeln und sprechen muss sie bei „roten“ Meldungen. Das können Falschfahrer, Steinewerfer oder Kinder auf der Fahrbahn sein. Doch zunächst läuft der erste Musiktitel der Sendung: „Don‘t get me wrong“ der Pretenders. Was machen Moderatoren eigentlich, während die Musik läuft? „Die sind dauerbeschäftigt“, sagt Cora. Beispielsweise mit der nächsten Moderation oder mit Hörernachrichten sichten und beantworten. Es gehen auch viele Sprachnachrichten ein. Manche, die gesendet werden, sind vorher noch auf die passende Länge zu schneiden.
Im direkten Kontakt mit den Zuhörern
Überhaupt spielt die Interaktion mit den Hörern eine wichtige Rolle im Radio, nicht nur nachts. Heute, wenn FERNFAHRER dabei ist, geht es zwischen drei und vier Uhr auch um die Lkw-Fahrer. Cora fragt: „Wohin seid ihr unterwegs und was transportiert ihr?“ Kurze Zeit später meldet sich Volker. Er hat seine Ladung zur Post am Flughafen Frankfurt gebracht und jetzt, um 3.45 Uhr, ist er kurz vor Köln unterwegs. Um vier Uhr hat der Lkw-Fahrer Feierabend. Auch Dieter aus dem Allgäu meldet sich. Er fährt im Auftrag von DPD. In Holzgünz im Allgäu ist er gestartet. Von dort aus fuhr er nach Dasing östlich von Augsburg und von dort zu DPD in Heilbronn. Jetzt befindet er sich gerade auf Höhe des Flughafens Stuttgart und ist auf dem Rückweg nach Holzgünz.
Wie Radiomoderatoren nachts motiviert bleiben
Auch wenn gegen 3.30 Uhr eine leichte Müdigkeit über Coras Gesicht huscht, lässt sie es sich nicht anmerken, schon gar nicht gegenüber den Hörern. „Wir wollen unsere Hörer gut gelaunt durch die Nacht begleiten und motivieren. Egal, ob sie auf dem Lkw unterwegs sind oder in der Backstube arbeiten“, sagt sie. Im nächsten Beitrag geht es dann auch um eine Freiburger Bäckerei, die mehr auf Qualität statt auf Quantität setzt und mit diesem Rezept gut durch die Energiekrise kommt. „Die Mitarbeiter sind so ausgeruht wie der Teig“, heißt es in dem Beitrag. Am Ende der Sendung ist Cora zwar nicht ausgeruht, aber dennoch hoch motiviert für die nächste "SWR 1 – Nacht".





