Lkw-Fahrer im Fernverkehr sind auch unter Einhaltung der geltenden Sozialvorschrift teils recht lang unterwegs und im Zweifel nur für 45 Stunden zu Hause. Da wird es also stressig, sich jedes Mal auch noch um die Wäsche zu kümmern. „Zwar gibt es unterwegs teils die Möglichkeit, Wäsche zu waschen, aber gerade in solchen hygienisch sensiblen Bereichen hat man es doch lieber, wenn man die Wäsche in die eigene Maschine werfen kann“, umreißt Heinz Kächele, Projektleiter bei Daimler Truck, die Situation unterwegs. Bisher wäre aber an eine Waschmaschine in der Kabine allein schon aus Platzgründen nicht zu denken gewesen. Hier habe man sich nun die Vorteile des Elektroantriebs zu Nutze gemacht. Die hierfür nötigen Komponenten hat Daimler nochmals kompakter gepackt. So passt hinter den Stern problemlos die Trommel eines Waschtrockners. Der nutzt für den Trockenvorgang die besonders energiesparende Wärmepumpentechnik, um nicht zu viel Bordstrom zu ziehen.
Waschtrockentrommel formschlüssig eingepasst
„Hinter dem Stern“ ist hierbei durchaus wörtlich zu nehmen. Das Markenemblem ist tatsächlich gleichzeitig die Tür des Geräts. Spezielles Panzerglas, zusammen mit Gorillaglas entwickelt, soll sicherstellen, dass diese die komplette Lebensdauer der Maschine überlebt und gegen Steinschläge resistent ist.
Über zwei stabile Trittstufen gelangt der Fahrer zur Öffnung der Waschmaschine. Eine ausfahrbare Halterung nimmt den mitgelieferten Wäschekorb auf. Der Fahrer hat die Wahl zwischen zwei Grundprogrammen: Kurz- oder Normalwaschgang, die jeweils mit 40 Grad Wassertemperatur arbeiten. Das Kurzprogramm ist so ausgelegt, dass der Fahrer bis zu zwei Kilogramm Wäsche (die Maschine wiegt selbständig) innerhalb seiner 45-Minuten-Pause sowohl waschen als auch trocknen kann. Daimler verspricht hier zumindest „bügeltrockene“ Wäsche. Natürlich ist das Programm nicht für starke Verschmutzungen oder eben mehr als zwei Kilogramm geeignet. Hierfür ist das Normalprogramm vorgesehen. Dann fasst die Trommel maximal sechs Kilogramm. Bezüglich der Dauer ist hier die reguläre Lenkzeit von 4,5 Stunden das Vorbild. Ein Problem sind nämlich, so Kächele, die Vibrationen während des Schleudervorgangs. Im Stand fallen die nicht ins Gewicht und sind demnach auch auf der Ruheliege kaum zu spüren. Während der Fahrt schreibt der Gesetzgeber aber eine Maximalschleuderdrehzahl von 600 Umdrehungen pro Minute vor. Entsprechend länger dauert also dann der Trockenvorgang.
Nur geringer Aufpreis
Wer den Waschtrockner zuliefert, darüber hüllt sich Daimler aktuell noch in Schweigen. Die Bedienelemente lassen allerdings darauf schließen, dass hier Miele-Technik zum Einsatz kommt. Der alte Marketingspruch „Das Beste oder nichts“ scheint zumindest bei den Einbaugeräten also wieder zu gelten. Der Wärmepumpen-Waschtrockner ist laut Daimler Truck ab sofort, also ab dem 1. April, zu haben. Der Aufpreis liegt bei 499 Euro netto. Preislich profitiere man davon, dass beim direkten Einbau in die Kabine das Gehäuse der Haushalts-Variante entfällt.
Nun fragt man sich aber: Ist das wirklich notwendig? In die Staufächer an Bord passt doch eigentlich recht viel Wäsche. Hier hat Heinz Kächele aber auch die passende Antwort parat, die noch ein wenig mehr aufhorchen lässt. „Wie bei der eigenen Waschmaschine und dem eigenen Bett würden sich viele Fahrer auch über die eigene Toilette und Dusche freuen. Dafür brauchen wir aber Platz in der Kabine. Der Waschtrockner an Bord ist also der erste logische und unheimlich wichtige Schritt, um die Stauraumfrage zu entschärfen.“





