Dietrich Trucks mit Sitz in Wenden im Sauerland hat es wieder einmal getan: Der Nutzfahrzeughändler hat eine Sattelzugmaschine mit seiner "Living Driver Single Cab" zum kompakten Wohnmobil für den Güterverkehr umgebaut. Anders als in der Vergangenheit aber keinen Ford F-Max, Renault T oder Volvo FH, was naheliegen würde, weil Dietrich Trucks offizieller Partner dieser Marken ist.
Die beste Basis: der DAF XG mit 12,5 Kubikmeter Volumen
Das neueste Projekt baut stattdessen auf Wunsch des Kunden auf einem DAF XG auf – dem Lkw also, der ohnehin aus dem Land der Camper-Könige Europas kommt. Und dessen Kabine die aktuell vielleicht beste Basis für den Umbau bildet. Immerhin ist das Topmodell der Niederländer im Vergleich zum Standard-XF um 33 Zentimeter nach hinten verlängert, was ein großzügiges Kabinenvolumen von 12,5 Kubikmetern nach sich zieht. Viel Raum also, auf dem sich die kreativen Mannen von Dietrich Trucks so richtig austoben konnten. Mit einem beeindruckenden Ergebnis.
Liegecouch, Vespertisch, Stauschrank – alles an Bord
Um Platz zu schaffen, haben die Sauerländer zuerst den Beifahrersitz und das untere Bett ausgebaut. Dann folgte ein Charakterwechsel sondergleichen: vom typischen Interieur dieser Tage zum wohnlich-modernen Camper, an dem nur noch wenig an den ursprünglichen Truck erinnert. Boden und Rückwand sind mit Paneelen in Parkettoptik verkleidet, inklusive zweier fein eingearbeiteter Ambiente-Lichtstreifen. Auf der Beifahrerseite macht sich eine Liegecouch mit Rückenlehne und Tablethalterung breit, daneben lässt sich aus der verkleideten Rückwand ein Vespertisch ausklappen, rechts hinter dem Fahrersitz folgt schließlich ein kompakter Schrank. Allein das obere Bett hat das Team von Dietrich Trucks unberührt gelassen.
Zahlreiche Features zum Wohlfühlen
Im Rahmen dieses Grundlayouts haben die Living-Cab-Experten dann verschiedenste Annehmlichkeiten versteckt: Der Schrank hinter dem Fahrersitz beherbergt neben einem Kühlfach, einer Mikrowelle und einer Schublade fürs Geschirr auch ein Spülbecken samt Wasserhahn und Frischwassertank. Nachfüllen kann man diesen über einen Stutzen außen an der Rückwand, das Abwasser fließt unter dem Lkw ab.
Der Clou: eine versteckte Trenntoilette
Unter der Liegecouch wiederum versteckt sich ein riesiges, ausziehbares Staufach für Lebensmittel oder Klamotten und eine schmale Schublade für die Kaffeemaschine. Der eigentliche Clou aber: Nimmt man das vordere Polster ab und klappt die Verkleidung nach oben, steht man vor seiner eigenen privaten Toilette. Konkret setzt Dietrich Trucks auf eine Trenntoilette mit einem Kanister für Urin und Kokosfaser-Substrat für das große Geschäft. Im System integriert ist ein Rührwerk, außerdem ein Lüfter, der die dicke Luft über den Radkasten nach außen abführt. Diese Gerätschaften schalten sich nach Angaben von Dietrich Trucks automatisch zu, werden außerdem als wartungsfrei beworben. Dazu zeigt die Toilette über LEDs selbst an, wenn es Zeit ist, sie zu leeren, was im Regelbetrieb alle vier bis sechs Wochen fällig werden dürfte.
Flexible Bauweise, Preise ab 12.500 Euro
Laut Dietrich Trucks sind die Bauteile der Living-Cab CNC-gefräst und damit unkompliziert reproduzierbar. Die Modulbauweise erlaube außerdem einen schnellen Austausch von Einzelteilen, sollte mal eine Blende beschädigt werden. Auch die Preise sind fair gehalten. In der Basis werden 13.500 Euro netto für die Living-Cab fällig, die über das Programm "Umweltschutz und Sicherheit" (ehemals De-minimis) zu bis zu 80 Prozent förderfähig ist. Im Falle des neuen DAF, so viel ist aber klar, sind viele aufpreispflichtigen Sonderausstattungen mit an Bord. Der XG dürfte damit kein Schnäppchen mehr sein, verbindet aber eben auch Welten: Er ist Wohnmobil und Arbeitsplatz in einem, ein Raumwunder mit einem für den Güterverkehr wohl einzigartigen Ambiente. Mehr davon!







