DAF XG mit Küche und WC: DIY-Umbau der Extraklasse

DAF XG mit Küche, Bad und WC
Do-It-Yourself-Umbau der Extraklasse

Mit viel Phantasie, Erfindergeist und handwerklichem Geschick hat sich Bohnert-Fahrer Andreas Knopf einen Lkw geschaffen, wie es ihn so kein zweites Mal gibt. Wir waren auf Besichtigungstour – durch Küche, Wohnzimmer und das Bad samt Dusche und WC.

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Foto: Julian Hoffmann

Rumpsteaks, Schweinekotelettes und Hähnchenflügel, frische Hamburger, würzige Reispfannen und echte, in Fett ausgebackene Pommes – alles keine Schonkost, aber genau die Art von Essen, die es nach einem langen Tag auf der Autobahn einfach mal braucht. Also ab ins Rasthof-Restaurant, oder?

Nein, sagt Andreas Knopf. Bestimmt nicht. Und das nicht, weil der gestandene 57-Jährige Kalorien zählt, Rohkostler ist oder Probleme mit seinem Cholesterinspiegel hat. "Ich will das nur nicht, weil mir die angebotene Qualität nicht passt und das Preis-Leistungs-Verhältnis", erzählt der Oberacherner. Im Alter von 40 Jahren ist er als Bergeleiter in den Abschleppdienst gestartet, auch für die großen Trucks. Seit zehn Jahren fährt er für Bohnert Transporte aus Seebach im Nordschwarzwald, hauptsächlich durch den Südwesten Deutschlands bis hoch zur Mosel. Im typischen innerdeutschen Fernverkehr, rund 100.000 Kilometer im Jahr, mit Übernachtungen im Lkw von Montag bis Freitag.

Andreas ist kein Pessimist. Er liebt, was er tut.

Ein hartes Brot, will man da entgegnen. Aber Andreas ist kein Meckerer und auch kein Pessimist. Er liebt, was er tut, und ändert ganz pragmatisch, was ihm nicht passt und zu ändern ist. "Ich war noch nie so entspannt in einem Job wie jetzt als Lkw-Fahrer. Ich kenne meine Lieblingsecken in Deutschland, schlafe selten auf Rasthöfen. Wenn die Sonne scheint, suche ich mir lieber ein Plätzchen in der Natur. Ich empfinde das teilweise sogar als Urlaub", erzählt er – und wird gleich von seinem Chef Stefan Bohnert bestätigt: "Das ist ja auch wie Urlaub. Du sitzt den ganzen Tag vor deinem Bett und schaust aus dem Fenster raus."

Ein Spaß natürlich, denn die beiden können gut miteinander und schätzen sich. Stefan, weil er sich auf Andreas verlassen kann. Weil der sich auch mal selbst hilft. Und im Stress etwas möglich macht, was eigentlich nicht möglich ist. Und Andreas, weil Stefan ihn nicht bevormundet. Seiner Kreativität mit seinem Lkw freien Lauf lässt, das ein oder andere Zubehör sponsert und ihm einfach ein Grundvertrauen entgegenbringt. Der wichtigste Punkt, ist er doch die Voraussetzung dafür, dass Andreas sich in Eigenleistung einen wahrlich einzigartigen Lkw schaffen konnte, der auf seine Bedürfnisse und seinen Geschmack zurechtgeschnitten ist. Womit wir wieder bei der Ausgangsgeschichte wären, der Sache mit dem Essen.

Ein Eigenbrötler? Ganz und gar nicht.

"Viele schalten zum Feierabend die Glotze an und packen sich noch eine Currywurst in die Mikrowelle, fertig. Ich erkunde lieber die Gegend mit meinem E-Scooter und koche, mit frischen Zutaten und viel Gerät. Ich habe eine Heißluftfritteuse an Bord, einen Gaskocher, einen Backofen und einen Sandwichtoaster. Nicht aus Geiz, sondern aus Spaß an der Sache", sagt Andreas.

Und tatsächlich: Weder wirkt der gelernte Schlosser, Druckermeister und Werbetechnik-Profi wie ein Erbsenzähler, noch wie ein einsamer Wolf, der Kontakte scheut und deswegen bloß nicht sein Fahrerhaus verlassen will. Im Gegenteil. Andreas ist aufgeschlossen, erzählt von vielen Gesprächen und Grillabenden mit neugierigen Kollegen und teilt regelmäßig Bilder und Videos seines DAF "Green Arrow" auf den Sozialen Medien von Facebook bis Tiktok. Mit einer schier unglaublichen Resonanz, die vom höchsten Lob bis zum völligen Unverständnis reicht. "In der Hütte muss es riechen wie in der letzten Pommesbude", schreibt der eine, während der andere schon die Ordnungshüter alarmieren will. Der übliche Ärger im anonymen Netz. Der Tenor: "Viel Spaß bei der nächsten HU, das geht niemals durch!"

Probleme mit der HU? Alles abgestimmt, sagt Andreas.

Andreas aber winkt ab. "Am Ende zählt doch nur eins: Der Lkw muss verkehrssicher sein und das ist er." Er hat sich schon vor dem Umbau mit dem Prüfingenieur seines Vertrauens ausgetauscht und die Einbauten entsprechend geplant. Erst ganz klassisch mit einer Beistift-Skizze in der Theorie, dann mit großem Tatendrang und viel handwerklichem Geschick in der Praxis.

Um erstmal Platz zu schaffen, hat Andreas das obere Bett ausgebaut und den Beifahrersitz. Dann hat er sich eine Staufachgalerie konstruiert für die Rückwand und eine Art Küchenmodul zur Montage auf der Beifahrerseite. "Den Schrank einzupassen war sehr anspruchsvoll, weil im XG alles abgerundet ist. Ich habe mir das früher schon gebaut für meinen XF, da konnte ich mich noch an vielen geraden Kanten orientieren", erzählt Andreas. Noch weit mehr Hirnschmalz dürfte er trotzdem in seine Küche investiert haben. Sie hat er auf einer Unterkonstruktion aus Holz aufgebaut, die über die originalen Befestigungspunkte für den Sitz gesichert ist.

Die Küche: mit angenehmer Arbeitshöhe und echtem Dunstabzug

Der Clou: Der Waschtisch lässt sich nach oben ausfahren, womit die Sicht beim Fahren nicht eingeschränkt wird, im Stand aber auf einer angenehmen Höhe geschnippelt werden kann. Und baut Andreas den Gaskocher im Regal rechts davon auf, fällt dem Betrachter dann so richtig die Kinnlade runter: Der Mann hat an alles gedacht, klappt erst ein Hitzschutzblech auf und schaltet im zweiten Schritt den Luftabzug an – richtig gelesen: den Luftabzug, der den Dampf aktiv über ein flexibles Abluftrohr mit passendem Einsatz fürs Beifahrerfenster nach außen bläst.

Kurios, kreativ – und funktionsfähig. Unseren Geruchstest besteht der XG ohne Beanstandungen. Der Wagen riecht neutral, um Welten besser als so mancher Raucher-Lkw. Aber nicht nur das: "Der gesamte Innenausbau lässt sich in einer Stunde wieder herausnehmen", sagt Andreas. "Und er ist – ohne Wasser – gewichtsneutral, weil ich mit dem Bett und dem Beifahrersitz zuerst schwere Teile eingespart habe."

So lässt es sich leben: über den Aufzug ins Badezimmer

Jetzt ist es nur so: Allein mit einem vollen Bauch gibt sich Andreas abends noch nicht zufrieden. Der Mann will sich auch duschen und auf eine gepflegte Toilette setzen können – und das kostenneutral.

Eine schier unlösbare Aufgabe, denn auch im geräumigen XG ist für eine Nasszelle neben dem Bett kein Spielraum mehr. Was also tun? Da hilft Andreas das Einsatzszenario: Wenn der Familienvater von der Firma aus startet mit seinem Hängerzug samt Allrad-Mitnahmestapler, hat er Aufzüge geladen. Sperrige Güter zwar, aber welche, mit denen hinten unter der Plane noch ein halber Meter Platz ist. Ebenso wie im Falle der Baustoffe, die er häufig wieder zurück in den Süden befördert. Mit seinem Erfindergeist hat sich Andreas da schnell eine "externe" Lösung geschaffen. Was nicht in die Kabine passt, das muss auf die Ladefläche weichen! Dort führt er eine Campingtoilette mit, ein Überbleibsel aus seinem verkauften VW-Bus.

Eine Sache von wenigen Minuten: eine Dusche zum Aufbauen

Daneben breitet er sich eine zusammenfaltbare Kunststoff-Duschtasse aus, befestigt einen Duschvorhang mittels zweier Magnete an der Ladetür und schaltet eine Pumpe ein, mit der die Brause mit angenehmem Druck das Wasser aus einem seitlich gesicherten 25-Liter-Kanister zieht. Nur ein kleines Loch für den Abflussschlauch musste Andreas für dieses Konstrukt in den Laderaumboden bohren, sonst ist einmal mehr alles rückstandslos rückbaubar.

Klar: Einige Handgriffe muss Andreas tun, um seinen Waschraum herzurichten und anschließend wieder sicher zu verstauen. Der Daniel Düsentrieb unter den Lkw-Fahrern aber macht das mit einem Lächeln im Gesicht, mit Stolz und mit Freude an seiner Erfindung. "Insgesamt habe ich zwischen sechs und acht Wochen gebraucht für die Umbauten. Zusätzliche Batterien brauche ich nicht, ich habe noch nie Probleme damit gehabt", erzählt er. Die Kosten beliefen sich dank üppiger Resteverwertung (Stichwort Erfindergeist!) auf nur rund 2.000 Euro. Alles inklusive, auch die Zubehörteile und die selbstgedruckten Folien für den äußeren Auftritt seines DAF "Green Arrow".

Ein Lkw für jedermann? Nein. Ein DAF XG von Andreas für Andreas.

Nüchtern betrachtet ist Andreas‘ Lkw damit einfach eines: Andreas‘ Lkw. Keine Blaupause, kein Modell für jedermann. Aber ein Truck, der inspiriert und der zeigt, was mit Kreativität alles möglich ist. Wir sagen: Danke für den Einblick in deine Welt, Andreas! Es war uns ein (Grill-)Fest.