Kann Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) den Führerschein-Schockpreis knacken – und profitieren am Ende auch angehende Lkw-Fahrer? Genau diese Frage steht über den Reformplänen des Bundesministeriums für Verkehr (BMV). Offiziell geht es in den veröffentlichten Eckpunkten zunächst um den Pkw-Führerschein. Doch ein Satz lässt die Transportbranche aufhorchen: Das BMV will prüfen, ob sich zentrale Reformelemente auch auf andere Führerscheinklassen, – also potenziell auch auf Lkw, übertragen lassen.
Reformstart beim Pkw mit klarer Richtung: weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung
Das BMV hat Eckpunkte für eine Reform der Fahrausbildung und Prüfung vorgestellt, die den Führerscheinerwerb „bezahlbarer“ machen soll. Im Fokus: Vereinfachung, Digitalisierung und effizientere Abläufe. Dahinter steckt eine einfache Rechnung: Wenn Ausbildungsmodule schlanker werden und Prüfprozesse weniger Zeit fressen, sinken Aufwand und Kosten – zumindest in der Theorie.
Und der Lkw-Führerschein? Offiziell noch keine Details – aber ein Prüfauftrag
Wer in den BMV-Unterlagen konkrete Maßnahmen für Klasse C/CE sucht, findet (noch) keine ausformulierten Änderungen wie etwa eigene neue Lkw-Module oder spezielle Prüfzeitkürzungen für Berufskraftfahrer. Der entscheidende Punkt ist bislang eher strategisch: Das Ministerium nennt ausdrücklich, dass die Eckpunkte zunächst den Pkw-Führerschein betreffen, die Übertragbarkeit auf weitere Klassen aber geprüft werden soll. Auch in einer ministeriumsnahen Veröffentlichung heißt es sinngemäß: Es geht erst um Klasse B, anschließend soll geschaut werden, was sich auf „andere Klassen wie Lkw“ übertragen lässt.
BASt-Bericht zur Fahrerausbildung lässt aufhorchen
Was spricht dafür, dass Lkw-Klassen überhaupt auf dem Zettel stehen? Ein Hinweis kommt aus der begleitenden Facharbeit: In einem BASt-Bericht (Bundesanstalt für Straßenwesen) zur Fahrausbildung wird explizit darauf verwiesen, dass Reformüberlegungen nicht nur Pkw betreffen, sondern die Systematik auch bei anderen Klassen eine Rolle spielt. In dem Dokument werden Führerscheinklassen wie C/CE im Kontext der Ausbildung/Prüfung genannt. Heißt übersetzt: Der fachliche Unterbau existiert, aber die politische Umsetzung für den Lkw-Bereich ist noch nicht als konkrete Maßnahmenliste veröffentlicht.
Der Knackpunkt: Die Länder müssen mitziehen
Selbst wenn das BMV Tempo machen will: Reformen an Ausbildung und Prüfung laufen in Deutschland nicht im Alleingang. Ein Teil der Umsetzung hängt von Abstimmungen und Zuständigkeiten der Länder ab – ohne deren Zustimmung wird aus „Plan“ schnell „Pilotprojekt ohne Wirkung“. (Auch deshalb ist 2026 eher als Reformjahr im Verfahren zu sehen – nicht als „ab morgen wird alles billiger“-Schalter.)
Was bedeutet das für die Branche mit Stand jetzt?
Für Speditionen, Fahrschulen und angehende Berufskraftfahrer bleibt damit vorerst ein Zwischenstand:
- Ja, das BMV treibt eine Reform an, mit dem Ziel, den Führerschein insgesamt bezahlbarer zu machen.
- Ja, das Ministerium nennt explizit die Prüfung, ob Inhalte auf weitere Klassen (auch Lkw) übertragbar sind.
- Nein, es gibt aus den BMV-Eckpunkten bislang keine konkrete, ausformulierte Lkw-spezifische Maßnahmenliste (Klasse C/CE) – zumindest nicht in den veröffentlichten Unterlagen.
Die Frage, die jetzt zählt
Kommt der Bürokratie-Boost auch beim Lkw-Führerschein an oder bleibt er zunächst ein Pkw-Projekt mit „Vielleicht“-Option? Das BMV hat die Tür geöffnet. Ob sie 2026 auch wirklich aufgeht, dürfte sich an zwei Punkten entscheiden: an der Ausgestaltung der Übertragung auf C/CE und an der Zustimmung der Länder.






