E-Lkw im Alltag: Was rechnet sich?
Wie anders kann man die jetzige Situation für Spediteure beschreiben als Krise? Nicht nur der Fahrermangel gehört zu den drängenden Problemen, auch die aktuellen Dieselhöchstpreise und die anstehende Transformation der Flotte stellen Unternehmen vor immense Herausforderungen.
Weitermachen wie bisher – oder neue Wege, Ideen und Erfahrungen suchen: Das trans aktuell-Symposium „Antriebswende in der Krise“ liefert den entscheidenden Anstoß, die Antriebswende anzugehen, und sei es erst einmal mit einem oder wenigen Fahrzeugen.
Gerade kleinere Unternehmen und Mittelständler zögern: E-Lkw sind in der Anschaffung nach wie vor teurer als Diesel, und es erfordert schon ein bisschen an Know-how, ein batterieelektrisches Fahrzeug in den eigenen Fuhrpark zu integrieren. Das trans aktuell-Symposium am Mittwoch, 7. Oktober, im Landschaftspark Nord in Duisburg liefert daher nicht nur wertvolle Impulse, sondern ganz praktische Beispiele – und vor allem Zeit und Gelegenheit zum persönlichen Austausch.
Chemielogistik setzt auf Elektroantriebe
Wie E-Mobilität für alle wirtschaftlich wird, zeigt unter anderem Jochen Köppen, Geschäftsführer des gleichnamigen Tankcontainer-Dienstleisters. Seit vergangenem Jahr sind mehrere E-Lkw Teil der Firmenflotte, der Weg in die E-Mobilität hat für das Unternehmen aber schon viel früher begonnen. Jochen Köppen berichtet von den Herausforderungen rund um die neue Antriebstechnologie und wie er das Thema erfolgreich bei seinen Kunden aus der Chemielogistik platziert hat.
Weitere Best-Practice-Beispiele aus dem Schwerlastbereich liefert das Unternehmen Koch International aus Osnabrück, das für Chemiekunden, aber auch für andere Branchen elektrisch unterwegs ist. Geschäftsführer Ingmar Reisige verspricht in seinem Vortrag konkrete Lösungsvorschläge und Praxiserfahrungen zum E-Lkw im Fernverkehr.
E-Lkw auch für kleine Flotten
Von der „Elektrifizierung zwischen Wirklichkeit und Wirtschaftlichkeit“ berichtet Jörg Voßkamp, Geschäftsführer des gleichnamigen Getränkefachgroßhandels aus Borken. Dass die Elektrifizierung auch in kleinen Flotten funktioniert, beweist er eindrucksvoll: In den kommenden Monaten werden fünf von insgesamt sieben Fahrzeugen seines Fuhrparks elektrifiziert sein; ab März 2027 soll bereits die Mehrheit der jährlichen Fahrleistung rein elektrisch erbracht werden. Möglich ist das, weil sich Voßkamp frühzeitig mit dem Thema Energie befasst hat – wie das Erfolgsgeheimnis in puncto Eigenstrom und Ladeinfrastruktur aussieht, schildert er vor Ort in Duisburg.
Aus einem anderen Bereich der Transportlogistik berichtet Michael Dommermuth, Geschäftsführer der Pape Internationale Spedition aus Duisburg, die ihren Schwerpunkt unter anderem in der Lebensmittellogistik hat. Im Regional- und Verteilerverkehr nutzt das Unternehmen batterieelektrische Fahrzeuge von Scania. Dommermuth erklärt, wie sich die Fahrzeuge bei den hohen Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels bewähren und wie sich das Ganze wirtschaftlich darstellt.
Zugmaschine plus Trailer richtig planen
Nicht nur Praktiker, sondern echte Pioniere auf dem Gebiet der E-Mobilität sind die Verantwortlichen von Logistik Schmitt aus dem badischen Bietigheim: Als erstes deutsches Unternehmen hatten sie einen Prototypen der eActros 300-Sattelzugmaschine im Einsatz. Das ist drei Jahre her – heute sind mehr als die Hälfte der 100 eigenen Fahrzeuge E-Lkw, und auch in puncto Ladeinfrastruktur kann das Unternehmen viel berichten. Beim Symposium in Duisburg wird Benjamin Sommer, Leiter Strategische Entwicklung & Projektmanagement bei Logistik Schmitt, unter dem Motto „Vorfahren statt abwarten!“ über diesen Pioniergeist sprechen. Zusammen mit Matthias Muffert, Leiter Produktmanagement General Cargo bei Schmitz Cargobull, beantwortet er zudem wichtige Fragen zum Thema Trailer inklusive Nutz- und Achslasten.
Wie sicher sind elektrische Lkw?
Und immer wieder steht eine zentrale Frage im Vordergrund: Sind elektrische Lkw auch sicher? Ein klares „Ja“ kommt von Christoph Trieba, Product Manager Automotive bei der DEKRA Akademie aus Stuttgart – schließlich steht die Sachverständigenorganisation wie keine andere für das Thema Sicherheit im Fahrzeugbereich.
Mautbefreiung und THG-Quote als Vorteil
Simon Brück, Leiter Umwelt-, Klima- und Energiepolitik beim Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV), beleuchtet das Thema anschließend aus seiner Perspektive: nah an den Interessen der Unternehmen, versiert in den politischen Rahmenbedingungen und vertraut mit allen aktuellen Entwicklungen rund um die Chancen und Herausforderungen batterieelektrischer Fahrzeuge.
Dazu gehören durchaus auch erhebliche finanzielle Vorteile wie die Mautbefreiung, der Nachlass bei der Kfz-Steuer für bis zu zehn Jahre und natürlich die THG-Quote. „Der Gamechanger der Antriebswende“, sagt Philip Weykamp, CEO und Co-Founder von GreenTrax aus Kleve. Er rechnet vor, wie sich die Zertifikate bar auszahlen.
Daten und KI machen E-Lkw effizienter
Ebenso wichtig für den Erfolg von E-Lkw ist der richtige Einsatz im Alltag, bei dem digitale Lösungen unterstützen: „Von der Antriebs- zur Entscheidungswende – wie Daten und KI die Elektrifizierung wirtschaftlich machen“ lautet der Vortrag von Florian Modrich, Country Leader DACH des Digitalbereichs der ZF Group.
Dynamisch laden und Kosten sparen
Digitalisierung löst zudem eine weitere Hürde beim Laden unterwegs: Dr. Julian Lütkewitte, Co-Founder und Geschäftsführer von Libergy, zeigt beispielhaft auf, was sich durch eine dynamische Routen- und Ladeplanung für E-Lkw im Fernverkehr einsparen lässt – an Mehrkilometern, Umwegen und unnötigen Roaming-Gebühren. Das ist eine Win-Win-Lösung für Unternehmer und Disponenten – und entlastet auch die Fahrer, die nicht mehr auf eigene Faust nach freien Lademöglichkeiten suchen müssen. Ein starker Nebeneffekt: Fahrer, die einen E-Lkw steuern, sind nachweislich zufriedener unterwegs als mit einem Diesel. Daher heißt es: Raus aus der Krise, rein in die Praxis – und in Duisburg erfahren, wie die Transformation gelingt.
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