Metzger will bis 2030 jeden zweiten Lkw elektrisch

Webfleet steuert E-Lkw-Umstieg
Metzger will Flotte bis 2030 halb elektrifizieren

Metzger Spedition & Logistik nutzt Webfleet-Daten für den Ausbau der E-Lkw-Flotte. Bis 2030 soll mindestens jeder zweite eigene Lkw elektrisch fahren – wirtschaftlich geplant und digital gesteuert.

Elektro-Lkw von Metzger Spedition & Logistik auf einem Betriebshof mit Ladeinfrastruktur. Webfleet-Daten unterstützen den Ausbau der elektrischen Flotte bis 2030.
Foto: Metzger Spedition & Logistik

Fünf Elektro-Lkw sind bereits im Einsatz, mindestens 15 sollen es bis 2030 sein: Metzger Spedition & Logistik plant den Umbau seines Fuhrparks mithilfe von Echtzeitdaten. Webfleet soll zeigen, welche Touren sich elektrisch fahren lassen und wo sich weitere Investitionen wirtschaftlich rechnen. Die Erfahrungen präsentieren die bei UNternehmen dann auf der IAA Transportation 2026 (Halle 12, Stand B63). Denn der Mittelständler aus Neu-Kupfer in Baden-Württemberg setzt nicht allein auf technische Reichweitenangaben oder Erfahrungswerte. Grundlage für Fahrzeugbeschaffung und Einsatzplanung sind Daten aus der Flottenmanagement-Plattform Webfleet.

Flottendaten sollen passende Touren für E-Lkw finden

Bei der Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge entscheidet nicht nur die nominelle Reichweite darüber, ob ein Fahrzeug wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Tourenlänge, Nutzlast, Standzeiten, Energieverbrauch und die Verfügbarkeit geeigneter Ladepunkte müssen zusammenpassen. Webfleet liefert Metzger nach Angaben beider Unternehmen unter anderem Daten zu Reichweiten, Fahrzeugauslastung, Ladezeiten und Ladeinfrastruktur entlang der gefahrenen Routen. Auf dieser Grundlage soll die Spedition erkennen können, welche Aufträge bereits heute mit Elektro-Lkw gefahren werden können. Zugleich lassen sich Einsatzfelder identifizieren, bei denen zusätzliche Fahrzeuge oder Ladepunkte benötigt werden. Damit soll der weitere Flottenumbau schrittweise erfolgen, anstatt konventionelle Lkw unabhängig von ihrem Einsatzprofil auszutauschen. „Man kann nicht einfach Fahrzeuge austauschen, sondern muss genau wissen, welcher Schritt zu welchem Zeitpunkt notwendig wird“, sagt Metzger-Geschäftsführer Kevin Kielwein.

Wirtschaftlichkeit entscheidet über den Flottenumbau

Für Metzger müssen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zusammenpassen. Die Entscheidung für einen Elektro-Lkw hängt deshalb nicht allein von dessen Emissionsvorteilen ab. Berücksichtigt werden sollen auch Auslastung, Energiekosten, Ladezeiten und die gesamten Betriebskosten über die Nutzungsdauer. Der datenbasierte Ansatz soll dem Unternehmen mehr Planungssicherheit verschaffen. Das gilt insbesondere für Investitionen in Fahrzeuge und eigene Ladeinfrastruktur, die sich nur bei ausreichend planbarer Auslastung rechnen. Auf der IAA Transportation 2026 wollen Webfleet und Metzger zeigen, wie digitale Prozesse, Elektro-Lkw und ein Total-Cost-of-Ownership-Ansatz miteinander verbunden werden können.

Echtzeitdaten verbessern auch die Disposition

Webfleet wird bei Metzger nicht nur für die langfristige Elektrifizierungsstrategie eingesetzt. Die Plattform unterstützt auch die tägliche Disposition und Tourenplanung. Aktuelle Fahrzeugdaten sollen helfen, Leerfahrten zu reduzieren und die Auslastung der Flotte zu verbessern. Darüber hinaus nutzt das Unternehmen die Software zur Kontrolle gesetzlicher Vorgaben, darunter Lenk- und Ruhezeiten, Führerscheinkontrollen und Geschwindigkeitsverstöße. Gerade bei Elektro-Lkw gewinnt die laufende Einsatzsteuerung aber zusätzlich an Bedeutung. Änderungen im Tourenverlauf, längere Standzeiten oder ungeplante Zusatzkilometer können sich unmittelbar auf den Energiebedarf und die Ladeplanung auswirken.

Fahrstil beeinflusst Verbrauch und Reichweite

Mit Webfleet OptiDrive 360 wertet die Spedition außerdem das Fahrverhalten aus. Analysiert werden unter anderem Geschwindigkeit, Leerlaufzeiten und die vorausschauende Fahrweise. Daraus entstehen individuelle Fahrerscores, die als Grundlage für Schulungen dienen. Nach Angaben von Metzger hat sich dadurch der Schulungsaufwand reduziert. Gleichzeitig seien Kraftstoffverbrauch und Wartungskosten gesunken. Bei batterieelektrischen Fahrzeugen wirkt sich der Fahrstil zusätzlich auf die Reichweite aus. Gleichmäßiges Beschleunigen, vorausschauendes Rollen und die Nutzung der Rekuperation können den Energieverbrauch senken und die Einsatzmöglichkeiten erweitern.

Eigene Ladeinfrastruktur, Solarstrom und HVO100

Die Elektrifizierung ist Teil einer breiteren Nachhaltigkeitsstrategie. Metzger investiert neben Elektro-Lkw auch in eigene Ladeinfrastruktur und Solarenergie am Unternehmensstandort. Für Transportaufgaben, die noch nicht elektrifiziert werden können, nutzt die Spedition zudem den alternativen Kraftstoff HVO100. Damit verfolgt das Unternehmen einen technologieoffenen Übergang: Elektrische Fahrzeuge sollen dort eingesetzt werden, wo Tourenprofile und Wirtschaftlichkeit bereits passen. Andere Verkehre bleiben zunächst bei Verbrennungsmotoren mit alternativen Kraftstoffen.

Einordnung für Logistikunternehmen

Das Beispiel Metzger zeigt, dass die Elektrifizierung einer Flotte bereits vor dem Fahrzeugkauf beginnt. Entscheidend ist zunächst, welche Fahrzeuge wann, wo und mit welcher Last eingesetzt werden. Telematikdaten können daraus geeignete E-Lkw-Routen ableiten und Fehlinvestitionen vermeiden. Sie lösen jedoch nicht alle Hindernisse. Hohe Anschaffungskosten, Netzanschlüsse, Ladeleistung und die Verfügbarkeit öffentlicher Lkw-Ladepunkte bleiben zentrale Faktoren. Für mittelständische Speditionen dürfte deshalb ein schrittweiser Umbau besonders realistisch sein: zuerst klar planbare Touren elektrifizieren, Erfahrungen sammeln und die Ladeinfrastruktur anschließend gezielt erweitern.

In Kürze: die Key Facts

  • Unternehmen: Webfleet
  • Kunde: Metzger Spedition & Logistik
  • Standort: Neu-Kupfer, Baden-Württemberg
  • Beschäftigte: rund 80
  • Eigene Lkw-Flotte: 30 Fahrzeuge
  • Elektro-Lkw im Bestand: fünf
  • Elektrifizierungsziel: mindestens 50 Prozent bis 2030
  • Ausgewertete Daten: Reichweite, Auslastung, Ladezeiten, Ladepunkte und Fahrverhalten
  • Fahreranalyse: Webfleet OptiDrive 360
  • Weitere Maßnahmen: eigene Ladeinfrastruktur, Solarenergie und HVO100
  • Präsentation: IAA Transportation 2026 in Hannover
  • Messestand: Halle 12, Stand B63