Hohe Transportkosten durch Nahost-Eskalation: UNICEF sieht lebensrettende Hilfe in Gefahr

Hohe Transportkosten durch Nahost-Eskalation
UNICEF sieht lebensrettende Hilfe in Gefahr

Unterbrochene Lieferketten, längere Transportwege und drastisch steigende Frachtkosten: Laut UNICEF ist die Versorgung von Kindern mit Impfstoffen, Spezialnahrung und anderen lebenswichtigen Hilfsgütern massiv erschwert.

UNICEF sieht lebensrettende Hilfe in Gefahr
Foto: Carmel Ndomba Mbikayi

Stark gestiegene Transportkosten betreffen humanitäre Logistik

Rund 100 Tage nach Beginn der jüngsten Eskalation im Nahen Osten geraten globale humanitäre Lieferketten zunehmend unter Druck. Verzögerungen auf wichtigen Handels- und Versorgungsrouten sowie stark gestiegene Transportkosten schränken laut der Hilfsorganisation UNICEF die Möglichkeiten von Hilfsorganisationen ein, Kinder in Krisengebieten rechtzeitig zu erreichen. Besonders betroffen sind Impfprogramme, Ernährungshilfe und Bildungsmaßnahmen in Afrika, Asien und dem Nahen Osten.

UNICEF: Höhere Frachtkosten gehen direkt zulasten von Hilfsprogrammen

„Steigende Transportkosten bedeuten, dass weniger Mittel für lebensrettende Hilfsgüter zur Verfügung stehen, die Kinder dringend benötigen“, erklärte Jean-Cédric Meeus, Leiter für globale Lieferketten und Logistik bei UNICEF, auf einer Pressekonferenz in Genf. Die Organisation beobachtet seit Monaten erhebliche Störungen in den internationalen Lieferketten.

Umleitungen von Frachtschiffen über das Kap der Guten Hoffnung verlängern Transportzeiten mittlerweile um zwei bis vier Wochen. Gleichzeitig sind Luftfrachtkapazitäten im Nahen Osten begrenzt, während sich Hafenüberlastungen in Afrika und anderen Regionen verschärfen. Die Folge: Humanitäre Hilfe wird langsamer, teurer und schwieriger planbar.

Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen zeigt sich die Entwicklung bei lebenswichtigen Hilfsgütern besonders deutlich. Die Luftfrachtkosten für Impfstoffe von Indien nach Äthiopien, Nigeria und in die Demokratische Republik Kongo sind demnach bereits um bis zu 70 Prozent gestiegen. Die Transportkosten für therapeutische Spezialnahrung für mangelernährte Kinder legten um rund 30 Prozent zu. Bei Bildungsmaterialien für den Jemen und Mosambik haben sich die Seefrachtkosten teilweise sogar mehr als verdoppelt.

Millionen Kinder von Lieferverzögerungen betroffen

Die Auswirkungen sind weltweit spürbar. In Nigeria verursachte die Umleitung von Spritzen für eine Polio-Impfkampagne für zwölf Millionen Kinder zusätzliche Kosten von 200.000 US-Dollar. In Mali sieht sich UNICEF gezwungen, zwischen dringend benötigter Ernährungsversorgung und anderen wichtigen Programmen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wasser und Kinderschutz abzuwägen.

Auch in Afghanistan verlängern alternative Transportwege die Lieferzeiten für Ernährungshilfen um bis zu zwei Monate. Wichtige afrikanische Häfen wie Beira, Conakry, Abidjan, Dar es Salaam und Mombasa melden erhebliche Verzögerungen, die sich auf zahlreiche Binnenstaaten auswirken.

UNICEF befürchtet nach eigenen Angaben, dass sich Lieferungen essenzieller Hilfsgüter künftig um vier bis sechs Monate verzögern könnten. "Für Kinder in Krisengebieten kann dies gravierende Folgen haben – insbesondere wenn Impfstoffe, Medikamente oder Nahrungshilfen nicht rechtzeitig ankommen", so die Sonderorganisation

UNICEF setzt auf alternative Lieferwege und lokale Produktion

Trotz der Herausforderungen halte UNICEF die Versorgung aufrecht, indem aktiviert alternative Luft-, Land- und Seerouten aktiviert, andere Lieferantenstrukturen ausgebaut und Teile der Produktion näher an die Einsatzgebiete verlagert werden. Gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm (WFP) und weiteren UN-Partnern konnten zudem Vereinbarungen mit großen Transportunternehmen getroffen werden, um Zuschläge für humanitäre Lieferungen vorübergehend auszusetzen. "Dadurch wurden bereits Einsparungen von rund zwei Millionen US-Dollar erzielt", so UNICEF.

Dennoch bleibt die Lage angespannt. „Wenn Lieferketten unterbrochen werden, zahlen Kinder zuerst den Preis“, betont Meeus. UNICEF werde gemeinsam mit seinen Partnern alles daransetzen, die Versorgung der betroffenen Kinder auch unter schwierigen Bedingungen sicherzustellen.